Soziologieverlage unter multiplem Veränderungsdruck

Ute Volkmann

Abstract


Wissenschaftsverlage stellen mit ihrer Buch- und Zeitschriftenproduktion nach wie vor die zentrale organisatorische Plattform wissenschaftlicher Wahrheitskommunikation dar. Das gilt auch für das Fach Soziologie. Soziologen bedienen sich der Verlage, um mit ihren Forschungsergebnissen in der Scientific Community wahrgenommen und zitiert zu werden. Umgekehrt sind die Verlage auf der Input- wie Outputseite auf Soziologen als Autoren und Nutzer angewiesen. Wissenschaftler und Wissenschaftsverlage stehen somit in einer Konstellation wechselseitiger Nutzenverschränkung. Ändern sich die Randbedingungen für eine Seite oder gar für beide Seiten, so hat dies Auswirkungen auf die Konstellation insgesamt.

Nach einer langen Phase relativer Stabilität sehen sich die Verlage der deutschen Soziologie aktuell mit einem ganzen Bündel einander teilweise verstärkender Kontextveränderungen konfrontiert.

-  Die erste Veränderung betrifft das Feld der Soziologieverlage. Zwar zeichnet es sich nach wie vor durch eine Vielfalt mittelgroßer und kleinerer Verlage aus, aber seit einem Jahrzehnt gibt es einen wachstumsstarken Marktführer unter dem Dach des internationalen wissenschaftlichen Springer-Konzerns.

-  Zweitens werden die Verlage durch die Digitalisierung unter Veränderungsdruck gesetzt. Es sind die kapitalstarken internationalen Verlagskonzerne, die hier die neuen Standards setzen. Hinzu kommen die sich verändernden Erwartungen der Soziologen insbesondere in ihrer Rolle als Nutzer.

-  Als dritte auf dem Gros der Soziologieverlage lastende Veränderung kommen die stagnierenden beziehungsweise durch neue Verkaufsstrategien der großen Verlagskonzerne gebundenen Bibliotheksetats hinzu.

-  Eine vierte Veränderung ist die von der Wissenschaftspolitik zunehmend geforderte Internationalisierung. Insbesondere Nachwuchssoziologen stehen unter Druck, mehr und mehr in englischsprachigen Peer Reviewed Journals zu publizieren.

 

Auf der Basis qualitativer Interviews mit Verlegern und Lektoren sozialwissenschaftlicher Verlage will der Vortrag zeigen, wie die Verlage der deutschen Soziologie die vier genannten Herausforderungen wahrnehmen und welche Strategien und Praktiken sie entwickeln, um angesichts des vielschichtigen strukturellen Wandels „im Spiel“ zu bleiben. In einem Ausblick soll nach den daraus resultierenden Effekten auf die Konstellation wechselseitiger Nutzenverschränkung von Verlagen und Wissenschaftlern gefragt werden.


Schlagworte


Wissenschaftsverlage; Digitalisierung

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Literaturhinweise


Boni, M. 2010: Analoges Geld für digitale Zeilen: der Publikationsmarkt der Wissenschaft. Leviathan, 38. Jg., Heft 3, 293–312.

Parsons, P. 1989: Getting Published. The Acquisition Process at University Presses. Knoxville: University of Tennessee Press.

Thompson, J. B. 2005: Books in the Digital Age. The Transformation of Academic and Higher Education Publishing in Britain and the United States. Cambridge: Polity Press.


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