Anfragen an die Soziologie des Publikums

Uta Karstein, Nina Tessa Zahner

Abstract


Der Beitrag unterzieht die bisherige differenzierungstheoretische Auseinandersetzung mit den Publika gesellschaftlicher Teilbereiche einer kritischen Betrachtung. Hintergrund ist ein neues Interesse an Laienpraktiken, das sich aus neuen Sozialfiguren wie den Bastlern, Prosumern oder Bloggern speist. Bislang wurde dieses Thema vor allem von der Professions- und Wissenssoziologie aufgegriffen. Dabei berührt die Beobachtung, dass mit diesen Phänomenen auch die bislang etablierte und institutionalisierte Rollenteilung zwischen (Wissens-)Expert/-innen und Amateur/-innen auf den Prüfstand gestellt wird - im Kern die differenzierungstheoretische Fragestellung nach dem Verhältnis gesellschaftlicher Teilbereiche zu ihren Publika. Der Beitrag endet mit dem Plädyer, die Eigenlogik alltagsweltlicher Stellungnahmen theoretisch in Rechnung zu stellen und mit rekonstruktiven Methoden zu erforschen. Eine solche empirische Forschung stellt unseres Erachtens eine lange überfällige Ergänzung zu den meist auf hohem Abstraktionsniveau geführten differenzierungstheoretischen Debatten der letzten Jahre dar.

Schlagworte


Differenzierungstheorie; Publikum; Alltag

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