Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie <p>Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie</p> <p>Soziologie erscheint viermal im Jahr zu Beginn eines Quartals. Redaktionsschluss ist&nbsp;jeweils sechs Wochen vorher. Für Mitglieder der DGS ist der Bezug der Zeitschrift&nbsp;im Mitgliedsbeitrag enthalten. Beiträge in der Soziologie werden erfasst in&nbsp;CSA Sociological Abstracts (San Diego) und SOLIS (Bonn).</p> <p>Die digitale Version wird mit freundlicher Genehmigung der CAMPUS-Verlags GmbH an dieser Stelle veröffentlicht.&nbsp;</p> Deutsche Gesellschaft für Soziologie de-DE Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 0340-918X Soziologie · Jg. 44 · Heft 3 · 2015 http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/830 Georg Vobruba ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 Editorial http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/831 <p>Eurokrise und Griechenlandprobleme,&nbsp;&nbsp;</p> <p>liebe Kolleginnen und Kollegen,&nbsp;</p> <p>haben zu einem Schub an ökonomiebezogenen Deutungen im Alltagsbewusstsein und in der öffentlichen Meinung geführt. Klarer geworden ist, dass man als Inhaber eines Sparbuchs nicht Eigentümer von Geld ist, sondern eine Forderung gegen eine Bank hat – was im Ernstfall ein erheblicher Unterschied sein kann. Oder dass jedem Guthaben irgendwo eine Schuld gegenüber stehen muss. Oder dass mit höheren Renditen zwingend größere&nbsp; Risiken verbunden sind.</p> <p>Keineswegs so eindeutig ist, ob der individuelle Schaden ökonomischer Strategien privat zu tragen ist oder politisch absorbiert werden muss. Als Normalfall ist wohl anzunehmen, dass für privatwirtschaftliche ökonomische Entscheidungen privat einzustehen ist. Aber dieser Normalfall wird mindestens an zwei Stellen suspendiert: bei ökonomisch systemrelevanten Akteuren und bei solchen, die man politisch nicht ignorieren kann. Die strukturellen Zwänge »oben«, die zu schonender Behandlung systemrelevanter Banken führen, kennt man. Den politischen Druck von »unten«, vom Kapitalmarkt verursachte Schäden politisch zu kompensieren, wird man noch kennen lernen. Das ist meine Vermutung, da es hier um Anlage- und Vorsorgeformen geht, für die man sich zwar privat entscheidet, zu denen man aber staatlich animiert, wenn nicht gar genötigt wird. Dazu kommt, dass es dabei oft um&nbsp; existentielle Probleme geht; um Altersarmut durch unzureichende Zinsniveaus, zum Beispiel. Die Teilumstellung der Alterssicherung auf Kapitaldeckung, als Staatsentlastung gedacht, produziert Schäden, die den Staat belasten werden. Man sieht, dass Grenzen zwischen gesellschaftlichen Teilsystemen – hier: zwischen Ökonomie und Politik – nicht immer schon feststehen, sondern interessengeleitete Akteurskonstruktionen sind.&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> <p>Unübersichtlicher wird es, wenn es um das Verständnis von (makro-) ökonomischen Zusammenhängen, etwa im Zuge der Griechenlandprobleme, geht. Hier bieten sich drei Komplexe ökonomischen Wissens als Untersuchungsobjekte an: Erstens die journalistische Aufbereitung, zweitens die Debatten in Blogs und Kommentarfunktionen und drittens die ökonomische Expertise mit wissenschaftlichem Anspruch.&nbsp;&nbsp;</p> <p>All das ist ökonomisches Wissen, wenn man darunter Wissensbestände versteht, die sich ihrem eigenen Verständnis nach auf wirtschaftliche Fragen&nbsp; beziehen. Wirtschaftliche Fragen sind solche, die sich im Kern um Knappheit drehen. Mit Blogs erfasst man natürlich kein repräsentatives Bild ökonomischer Realitätsdeutungen. Es wird aber erkennbar, in welcher Weise wirtschaftliche, politische, moralische, mentalitäts- und rassenlogische Elemente zu Wirklichkeitsbildern kombiniert werden, und wie öffentliche Diskurse unter der Last der Komplexität ihrer Gegenstände kollabieren. Von hier führt ein direkter Weg zur Diskussion der Vereinbarkeit von (kapitalistischer) Ökonomie und Demokratie.&nbsp;&nbsp;</p> <p>Wirtschaftsjournalismus steht im Spannungsfeld zwischen der Komplexität des Gegenstands und dem Bemühen, anschaulich zu sein. Darum hantiert man mit Beispielen und schließt an Denkweisen aus der Lebenswelt potentieller Rezipienten an. Also wird die »schwäbische Hausfrau« als Benchmark eingeführt, oder private und öffentliche Verschuldung über einen Kamm geschoren. Das führt zu einer vulgarisierten mikroökonomischen Sichtweise und dazu, dass man das Explizieren makroökonomischer Zusammenhänge für professorales Geschwätz, überflüssig und nervig hält. Im Falle der Griechenlandkrise bringt das manchen Journalisten den zusätzlichen Er- trag, dass sie sich mit den Mächtigeren (EU-Finanzministern) identifizieren und den Neid auf einen, der ein Motorrad hat, keine Krawatten trägt und gerne von Journalistinnen interviewt wird, ausleben können.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> <p>Was macht die Ökonomie so faszinierend? Ihr ungeklärter epistemologischer Status, dessen erfolgreiche Verteidigung und der Erfolg, den sie diesem Status verdankt. Einerseits beansprucht die Ökonomie, Aussagen über die Wirklichkeit zu machen. Andererseits überprüft sie ihre Aussagen nicht&nbsp; an der Wirklichkeit, sondern die Wirklichkeit an ihren Aussagen. Entschiedener als die Soziologie versucht die Ökonomie praktisch zu werden. Mit dieser Attitüde der Kritischen Theorie ähnlich, sucht sie doch völlig andere Wege in die Praxis: erstens technische Empfehlungen, dabei hilft Nähe zu&nbsp; politischer Macht; zweitens Performativität, das erfordert die Einrichtung und Absicherung von <em>epistemic communities</em> und öffentliche Präsenz.&nbsp;&nbsp;</p> <p>Schließlich: Gibt es Unterschiede im ökonomischen Wissen, die quer zu&nbsp; Systemgrenzen liegen? Der Economist geht von einer deutschen Ökonomie&nbsp; mit speziellen Obsessionen aus. Stimmt das im internationalen Vergleich? Und falls es stimmt: Was sind die Ursachen?&nbsp;&nbsp;</p> <p>Man wird den Kolleginnen und Kollegen aus der Ökonomie sehr schonend beibringen müssen, dass sie faszinierende Untersuchungsobjekte sind.&nbsp;</p> <p>Ihr&nbsp;&nbsp;</p> <p>Georg Vobruba&nbsp;</p> Georg Vobruba ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 275 276 Die Normalität des Krieges http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/832 <p>Offensichtlich gehören Kriege zu den Elementarerscheinungen zwischenmenschlichen Zusammenlebens und sind, unabhängig von Zeit und Raum, im tiefsten Wesen des Menschen verankert. Merkwürdigerweise haben sie in den Gesellschaftstheorien der Soziologie keinen Niederschlag gefunden. Würde man Kriege in all ihren Erscheinungsformen vorbehaltlos als kontinuierliches Sozialgeschehen und gewaltige kulturelle Transformationskraft analysieren und nicht als vereinzelte Unglücksfälle der Geschichte abtun, wären die gegenwärtigen Theorien der Moderne (Habermas, Luhmann, Bourdieu, Foucault etc.) um einiges realistischer und empirisch gehaltvoller.&nbsp;&nbsp;</p> <p>At all times and throughout the world there have been wars. It seems that wars are a substantial part of human life. But there is no reflection on this phenomenon in the social theories of modern sociology, neither, for example, in those of Habermas and Luhmann nor in those of Bourdieu and Foucault. If sociologists were to perceive the meaning of wars as a continual part of social life and a strong cultural power of transformation, instead of putting them away as singular accidents of history or elapses into barbarism, their theories of modernity would become more realistic and more valuable, not only in a historical sense, but in an empirical sense, too.&nbsp;</p> Arno Bammé ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 277 291 Die Methodenausbildung in soziologischen MA-Studiengängen http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/833 <p>Der vorliegende Beitrag beschreibt den Stand der Ausbildung in quantitativen und qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung in den Master-Studiengängen »Soziologie« an deutschen Universitäten. In einem ersten Teil der Studie werden die formalen Kriterien zunächst für den Zugang zu den Masterstudiengängen »Soziologie« und danach für die Methodenausbildung anhand der Modulhandbücher vorgestellt. Ein zweiter Teil der Studie befasst sich mit Art und Umfang der Methodenausbildung. Die Analysen beziehen sich auf verschiedene Elemente der Methodenausbildung. In einem dritten Teil des Beitrags werden schließlich Empfehlungen im Hinblick auf die Zulassung zu den Masterstudiengängen und zur Gestaltung der Methodenausbildung im Master-Studiengang »Soziologie« an Universitäten formuliert.&nbsp;</p> <p>The present article reports on the training in social science methodology in Master’s Programs of Sociology at German universities. A first part of the study deals with formal criteria for the admission to a Master’s program and the training in social science methodology. A second part of the study is concerned with the training in social science methodology with regard to content and extent. Our analyses refer to different elements of trainings in social science methodology. Finally, a third part of the study includes recommendations concerning the admission to Master’s programs of Sociology and the design and organization of training in social science methodology at German universities.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p> Stefanie Eifler Jürgen H. P. Hoffmeyer-Zlotnik Dagmar Krebs ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 292 313 Studierkulturen http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/834 <p>Der Zusammenschluss des Forschungszentrums Karlsruhe, einer Einrichtung der Helmholtz Gemeinschaft, und der Universität Karlsruhe (TH) zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) dient als Beispiel für die Frage, wie (Groß-)Forschung in das Studium heute integriert werden kann. Während sich dort die Bemühungen vor allem auf die Einbindung des wissenschaftlichen Personals des Forschungszentrums in die Lehre richten, wird mit der Akzentuierung, welche Aspekte ›Studieren‹ konstituieren, ein alternativer Zugang zur generellen Frage gewählt, ob Forschung und Lehre heute noch verbunden werden können. Mit dem am Beispiel studentischer Fachkulturen der Wirtschaftswissenschaften, Physik und des Maschinenbaus exemplifizierten Konzept der ›Studierkulturen‹ wird zum einen die Heterogenität von Studieren angedeutet, zum anderen das auf die Fabrikation von Erkenntnis begrenzte Konzept der Wissenskulturen um den Blick auf Praktiken und orientierenden Relevanzen erweitert, die dem Eintritt in die Wissenskulturen vorausgehen.&nbsp;&nbsp;</p> <p>The paper deals with the merger of Forschungszentrum Karlsruhe, a research centre in the Helmholtz Association, and Universität Karlsruhe into the Karlsruhe Institute of Technology (KIT). By using this example the question of how to integrate Big Science in the courses of study is brought up. While the main focus of the KIT has been on integrating research centre scientists into teaching, a different approach is used by analyzing the factors that constitute ›studying‹ today and investigating&nbsp; whether there is (still) a way to link studying to research and science. By introducing and exemplifying the term ›cultures of studying‹ in the light of business sciences, mechanical engineering and physics, not only the heterogeneity of studying is high-lighted. Moreover, it provides a theoretical supplement to the concept of ›epistemic cultures‹ that is limited to the creation and assertion of knowledge yet. It is suggested to expand the concept not only by knowledge transfer but rather by certain relevancies and orientation on the context of the acquisition of knowledge.</p> Michaela Pfadenhauer Stefanie Enderle Felix Albrecht ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 314 328 Herausforderungen und Potentiale bei online geführten Gruppendiskussionen http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/835 <p>Die gängige, offline geführte Face-to-Face-Gruppendiskussion ist elementarer Bestandteil des qualitativen Forschungssettings. In den letzten Jahren wurde dieses Setting im Zuge einer Durchdringung der Gesellschaft mit digitalen Medien durch neue Formen qualitativer Datenerhebung – die sich diese Technikzunahme im Alltag zu Nutze gemacht haben – erweitert. Insbesondere das Internet und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten besitzen gegenwärtig Einfluss auf unser Denken, Alltagshandeln und Forschen. Es liegt daher nahe, Gruppendiskussionen auch vermehrt online durchzuführen. Der Beitrag befasst sich vor diesem Hintergrund mit Fragen nach Möglichkeiten und Besonderheiten einer rekonstruktiven Analyse digitaler Daten am Beispiel online geführter, chat-basierter Gruppendiskussionen. Er nennt zentrale Herausforderungen sowie in der Forschungspraxis liegende Potentiale, die aus der besonderen, mediatisierten Erhebungssituation entstehen können. Betrachtet wird dabei auch das interessante Zusammentreffen von Phänomenen der Analyse schriftbasierter Kommunikation mit den Aspekten situierter Technikaneignung im routinisierten Alltag der Menschen.&nbsp;&nbsp;</p> <p>The popular face-to-face discussion executed offline is an elementary component of the qualitative research setting. In the past few years – due to the permeation of society by digital media – the latter has been expanded by new forms of qualitative data acquisition which make use of the increasing amount of technology in everyday life. In particular, the internet and its multiple possibilities of utilization have great impact on our way of thinking, our daily routine and our research activities. Therefore, it suggests itself to further online group discussions as well. Against this background, the article deals with the possibilities and special features of a reconstructive digital data analysis using the example of online-conducted chat-based group discussions, thereby naming central challenges as well as potentials of the research practice, which may arise from the specific media-based situation of inquiry. As will become clear, the phenomena gained from the analysis of written-based communication coincide again in an interesting way with aspects of the appropriation of technology by the people in their daily routine.&nbsp;</p> Nadine Sander Miklas Schulz ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 329 345 DGS-Nachrichten http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/836 DGS-Nachrichten Redaktion ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 346 347 Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/837 <ul> <li><em>Se</em><em>k</em><em>t</em><em>i</em><em>o</em><em>n</em> Alter(n) und Gesellschaft&nbsp;</li> <li><em>Sektion</em> Methoden der empirischen Sozialforschung&nbsp;</li> <li><em>Sektionen</em> Soziologische Theorie&nbsp;</li> <li><em>Sektion </em>Wissenssoziologie &nbsp;</li> </ul> Sektionen und Arbeitsgruppen Redaktion ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 348 362 Nachrichten aus der Soziologie http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/838 <ul> <li>Johannes Weiß <ul> <li>Lobrede auf Alois Hahn&nbsp;</li> </ul> </li> <li>Florian G. Mildenberger <ul> <li>Rüdiger Lautmann zum 80. Geburtstag&nbsp;&nbsp;</li> </ul> </li> <li>Call for Papers <ul> <li>Denken über(-)denken&nbsp; &nbsp;</li> <li>Analysing the global/regional/national/local divide</li> <li>Sozialstruktur und Kultur</li> <li>Religionssoziologie und soziologische Theoriebildung&nbsp;</li> </ul> </li> <li>&nbsp;Tagungen&nbsp;&nbsp; <ul> <li>Arbeit jenseits der Rentengrenze – Zwischen ›Entpflichtung‹ und ›Unruhestand‹</li> <li>Der Mikrozensus als Datenquelle für die empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung</li> <li>»Antikategorialer Imperativ« – Soziale Netzwerke verstehen und analysieren</li> <li>Der ›practice turn‹ als Herausforderung sozial-konstruktivistischer Organisationsforschung</li> <li>Lost in Perfection: Folgen und Grenzen von Optimierung in Kultur und Psyche&nbsp;</li> </ul> </li> </ul> Nachrichten aus der Soziolgie Redaktion ##submission.copyrightStatement## 2015-07-01 2015-07-01 3 363 386