Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie <p>Soziologie - Forum der Deutschen Gesellschaft für Soziologie</p> <p>Soziologie erscheint viermal im Jahr zu Beginn eines Quartals. Redaktionsschluss ist&nbsp;jeweils sechs Wochen vorher. Für Mitglieder der DGS ist der Bezug der Zeitschrift&nbsp;im Mitgliedsbeitrag enthalten. Beiträge in der Soziologie werden erfasst in&nbsp;CSA Sociological Abstracts (San Diego) und SOLIS (Bonn).</p> <p>Die digitale Version wird mit freundlicher Genehmigung der CAMPUS-Verlags GmbH an dieser Stelle veröffentlicht.&nbsp;</p> de-DE svenja.deutschbein@kwi-nrw.de (Verwaltung des digitalen Archivs) svenja.deutschbein@kwi-nrw.de (Svenja Deutschbein) Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 OJS 3.1.1.0 http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 60 Soziologie · Jg. 43 · Heft 4 · 2014 http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/800 ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/800 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Editorial http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/801 <p>Über Vorratshaltung, <br>liebe Kolleginnen und Kollegen, <br>wollte ich eigentlich nicht schreiben. Obwohl: Vorratshaltung ist ein faszinierendes soziales Phänomen. Ich kann mir eine groß angelegte Untersuchung dazu vorstellen. Sie beginnt mit der Rekonstruktion der Wechselwirkungen von traditionalen Techniken der Konservierung von Lebensmitteln und Gesellschaftsentwicklung: der Lagerung von Obst (sog. Winteräpfel), dem Trocknen von Pilzen, der Produktion von lang haltbaren Getränken (Alkohol), dem Trocknen, Einsalzen oder Räuchern von Fleisch, Einlegen von Gemüse (Sauerkraut, saure Gurken etc.). Seit wann gibt es das? Gab es vor Ackerbau- und Viehhaltergesellschaften schon Konservierungstechniken? Haben solche Techniken vielleicht selbst einen Anteil an deren Entwicklung? Und welche Folgeprobleme entstanden daraus? Welche Techniken der Vorratshaltung für das Futter von Nutztieren entwickelten sich? <br>All diese Versionen der Vorratshaltung sind als traditionale Formen der Zukunftsbewirtschaftung zu verstehen. Im Kern handelt es sich dabei um Nullsummenspiele zwischen Gegenwart und Zukunft, und um die Bewältigung der sich daraus ergebenden Probleme: Verzicht auf Gegenwartskonsum; Entwicklung eines – wenn auch beschränkten – Zukunftshorizonts; Erfassung von Vorratsmengen; Verteidigung des Vorrats. Insbesondere die Zusammenhänge (Wechselwirkungen?) zwischen der Entwicklung von Techniken der Vorratshaltung und der Evolution des Zukunftsverständnisses dürften interessant sein. Es liegt auf der Hand, dass mit der Erweiterung von Zukunftshorizonten der Bedarf an Vorratshaltung zunimmt, und dass ebenso Fortschritte in der Vorratshaltung Denken und Handeln in weiteren Zukunftshorizonten ermöglichen. Dies lässt sich am Beispiel der großen Entdeckungsreisen (Columbus, Vasco da Gama etc.) zeigen. Einerseits setzten Absicht und Planung zu solchen Reisen ein Denken in erweiterten Zeithorizonten voraus. Andererseits ergaben sich aus praktischen Problemen während dieser Reisen (Skorbut) starke Anreize, Vorratstechniken weiter zu entwickeln. <br>Im modernen Zeitverständnis wird Zukunft als gestaltbar und riskant erfahren, und ihre Beherrschung zu einem kollektiven Problem. Damit wird Zukunftsvorsorge auf eine bis dahin unentwickelte Makroebene gehoben und institutionenabhängig. Soziale Sicherheit erfordert eine langfristig funktionierende Sozialpolitik, Sparen das politische Management der Stabilität des Geldwerts. In den letzten Jahrzehnten wurde Zukunftsvorsorge mehr und mehr an Entwicklungen des Finanzmarkts gebunden, deren Resultate sie nicht regulieren kann, für die sie aber doch einstehen muss. Eine produktive politische Idiotie, möglicherweise. Denn: Wenn Politik ihre Zuständigkeit für institutionalisierte Zukunftsvorsorge nicht abschütteln kann, bleibt ihr nur transnationale Finanzmarktregulierung. Vorratshaltung wird damit nicht obsolet, ändert aber ihren Stellenwert. Sie wird sozusagen in die Privatheit abgedrängt. <br>Eine Revolution in der Vorratshaltung bedeutet der Kühlschrank. Er verändert die Lebensmittelproduktion, das Einkaufsverhalten, das Tradieren von Kochrezepten, die Arbeit im Haushalt, Essgewohnheiten. (Wie sah die Versorgung mit Frischmilch davor aus? Ich kann mich daran erinnern.)&nbsp;&nbsp;</p> <p>Eigentlich wollte ich über den Krieg schreiben. Europa ist gegenwärtig von erklärten und nicht erklärten Kriegen umzingelt. Die Kriege nehmen neue Formen an, folgen unkonventionellen territorialen Logiken, verfolgen z. T. äußerst schwierig rekonstruierbare Zwecke. Dann wollte ich erwähnen,&nbsp; dass sich daraus eine Außenperspektive auf die Europäische Union ergibt, die in scharfem Kontrast zu ihren Selbstzweifeln steht. Der Historiker Christopher Clark hat anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele 2014 dazu eine bemerkenswerte Rede gehalten. Und schließlich wollte ich schreiben, dass die Soziologie sich der gegenwärtigen Kriege und kriegsähnlichen Prozesse viel entschiedener annehmen sollte; und ich wollte hinzufügen, dass mir klar ist, dass die Soziologie nichts Zukünftiges beforschen kann, dass sich soziologisch erst dann empirisch forschen lässt, wenn etwas passiert ist. Dass die Soziologie angesichts neuer Phänomene auf keinen Vorrat an empirischem Wissen zurückgreifen kann. Aber man sollte Theorieentwicklung so betreiben, dass man in die Lage versetzt wird, sich auf Neues rasch einzustellen. In diesem Sinn also: Soziologische Theoriediskussion als Bildung eines Vorrats. </p> <p>Ihr</p> <p>Georg Vobruba</p> ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/801 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 A Sociology Engaged on Behalf of the Polish Society http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/802 <p>In der Phase des realen Sozialismus bedeutete ›engagierte Soziologe‹ eine Soziologie, die die offizielle Ideologie und die Ziele der politischen Autoritäten akzeptierte. Der Beitrag zeigt, wie sich Soziologie demgegenüber in einem demokratischen Polen für die Gesellschaft engagieren könnte. Unter Verwendung der Weberschen Distinktionen aus Wissenschaft als Beruf wird erläutert, dass Soziologie 1. die Leute in die Prinzipien wissenschaftlichen Denkens über Gesellschaft einführt, 2. Konzepte verbreitet, die den Leuten ein besseres Verständnis der sozialen Welt vermitteln, und 3. die weitreichenden Konsequenzen gegenwärtiger Ereignisse und Politiken aufdeckt und sie mit ultimativen sozialen Werten in Beziehung setzt. Diese soziale Hermeneutik ist nicht weniger wichtig als die Herstellung einer Basis für angewandte Sozialwissenschaft oder die Beratung von Führungskräften, Politikern und Aktivisten.</p> <p>&nbsp;</p> <p>In the period of real socialism, ›engaged sociology‹ meant a sociology that accepted the ideology of the official system and the aims of the political authorities. The author indicates how sociology could engage on behalf of society in democratic Poland. Using Max Weber’s distinctions in Wissenschaft als Beruf, the author shows that sociology (1) teaches people the principles of scientific thinking about society, (2) disseminates concepts that give people a deeper understanding of the social world, and (3) reveals the far-reaching consequences of today’s events and policies and relates them to ultimate social values. This social hermeneutics is not less important than providing the bases for social engineering or advising leaders, politicians, and activists.</p> Antoni Sułek ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/802 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Polish sociology after twenty-five years of post-communist transformation http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/803 <p>Die polnischen Sozialwissenschaften haben zwei komplementäre Ziele verfolgt. Eines bestand darin, die polnische Transformation in ihrem räumlichen und historischen Kontext zu beschreiben. Zum zweiten ging es darum zu erklären, in welcher Form die externen, globalen Rahmenbedingungen die Mechanismen interner sozialer Modernisierung beeinflussten. Der Überblick über die vergangenen 25 Jahre zeigt einen klaren Wandel von der technokratischen Version eines flüssigen und raschen Wechsels hin zu einer tiefgehenden Betrachtung der Besonderheiten der polnischen Modernisierung. Soziale Phänomene wurden als ein spontanes und häufig singuläres Ergebnis neuer Institutionen, Regeln und Regulierungen betrachtet, die langsam Wurzeln fassen. Zur selben Zeit hat sich die analytische Perspektive um europäische und sogar globale Zusammenhänge erweitert. Bei ihrer Suche nach einer angemessenen Herangehensweise waren Soziologinnen und Soziologen auch in öffentliche Debatten über die Bemessung der nationalen »Aktiva und Passiva« und in die Festlegung zukünftiger Entwicklungsprioritäten involviert.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Polish social sciences have pursued two complementary objectives. Firstly, the aim was to describe the Polish transformation in relation to its external context, both spatial and temporal. The second was to explain how these external, global circumstances influenced the mechanisms of internal social modernisation in the country. A survey of the last twenty five years shows a clear transition from the technocratic vision of a smooth and rapid change to a deeper consideration of the peculiarities of Polish modernisation. Social phenomena have come to be regarded as a spontaneous and often unique result of new institutions, rules and regulations gradually taking root. At the same time, the analytical perspective has broadened to include European or even global contexts. In their search for an adequate approach, sociologists have been also involved in public debate on the assessment of the country’s ›assets and liabilities‹ and setting its developmental priorities for the future.&nbsp;</p> Agnieszka Kolasa-Nowak ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/803 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Werner Hofmanns Überlegungen zur Wissenschaftssoziologie der Nationalökonomie http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/804 <p>Seit einiger Zeit wächst das Interesse an einer Soziologie der Wirtschaftswissenschaften. Das Werk des Ökonomen und Soziologen Werner Hofmann (1922−1969) findet in aktuellen Beiträgen keine Beachtung. Dabei hat sich Hofmann bereits ab den 1950er Jahren mit einer Wissenschaftssoziologie der Nationalökonomie befasst. Im vorliegenden Beitrag vertrete ich die Auffassung, dass sein Werk zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Denn Hofmann hat nicht nur ein frühes systematisches wissenschaftssoziologisches Konzept (basierend auf Ideologiekritik) vorgelegt. Er konnte es im Bezug auf die Nationalökonomie auch eindrucksvoll mit Inhalten füllen. Sein vernichtender Befund: Die Nationalökonomie ist zur Ideologie verkommen. Die Gegenüberstellung mit aktuellen Beiträgen zur Soziologie der Wirtschaftswissenschaften offenbart interessante Analogien. So decken sich heutige Forderungen nach <br>und Potenzialvermutungen bei einer Wissenschaftssoziologie der Wirtschaftswissenschaften weitgehend mit denen Hofmanns. Ein inhaltlicher Abgleich mit Callons Werk, das als Initialzündung der Debatte um die Performativität der Wirtschaftswissenschaften gilt, fördert ebenfalls erstaunliche Parallelen zutage. Hofmann erscheint damit schlussendlich als unberücksichtigter Pionier der Wissenschaftssoziologie der Wirtschaftswissenschaften, dem mehr Aufmerksamkeit gebührt.</p> <p>&nbsp;</p> <p>There is a growing interest in the sociology of economics. Within current contributions the work of Werner Hofmann (1922–1969), an economist and professor of sociology in Marburg, Germany, remains unnoticed. Yet Hofmann concerned himself&nbsp;with a sociology of economic science as early as the 1950s. Within the present article I argue that Hofmann’s contributions are unjustly forgotten. It becomes apparent that Hofmann not only has developed an early systematic concept for a sociology of science based on criticism of ideology, but he also was able to bring it to life for the case of economics. His devastating finding: Economic science has turned into ideology. The comparison between Hofmann’s work and current contributions to the sociology of economics unearths interesting analogies: The contemporary demands for and suspected potential of a sociology of economics largely correspond to Hofmann’s considerations. Furthermore, the comparison of Hofmann’s findings and Callon’s work, which is regarded as an initial spark for the debate on the performativity of economics, reveals astonishing parallels. Ultimately this leads to the conclusion that Hofmann can indeed be regarded as an unconsidered pioneer of sociology of economic science who deserves more attention.</p> Simon Melch ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/804 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Theoriepräferenzen von Soziologiestudierenden http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/805 <p>Vor kurzem veröffentlichte Jürgen Gerhards einen höchst interessanten Beitrag in dieser Zeitschrift. Die Überlegungen Gerhards nimmt der Artikel zum Anlass, einige ergänzende empirische Befunde aus einem laufenden Forschungsprojekt zum soziologischen Feld in Deutschland zu präsentieren, in dessen Kontext bisher 2.218 Studierende der Sozialwissenschaften zu den Lehrinhalten der Soziologie befragt wurden. Anhand der Ergebnisse dieser Befragung kann ein systematisches Bild über den gegenwärtigen Status Quo der tatsächlich gelesenen Werke in der Soziologie gewonnen werden. Dabei bestätigen die Befunde die von Gerhards diagnostizierte Orientierung an den Klassikern und den geringen Grad der inhaltlichen Paradigmatisierung, weisen jedoch auf eine verstärkte Kanonisierung der deutschsprachigen Soziologie hin. So geben die Befunde erste Hinweise darauf, dass durchaus Standardisierungstendenzen der Lehrinhalte über verschiedene Standorte hinweg zu beobachten sind.</p> <p>&nbsp;</p> <p>Recently Jürgen Gerhards published a deeply interesting article in this journal. The article at hand will present some supplementary findings from a running research project on the sociological field in Germany. Up to now, 2.218 students of sociology have been surveyed about their sociological preferences and readings. The results confirm the findings of Gerhards that there is a strong alignment to the classic readings in sociology and a low degree of paradigmatization of content. Additionally, the results provide insights into standardization tendencies concerning the contents of sociological teaching across different universities.</p> Alexander Lenger, Tobias Rieder, Christian Schneickert ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/805 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 DGS-Nachrichten http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/806 <ul> <li>Stephan Lessenich:&nbsp;studium.org - Das neue Studieninformationsportal&nbsp;</li> <li>Veränderungen in der Mitgliedschaft&nbsp;</li> </ul> ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/806 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Berichte aus den Sektionen und Arbeitsgruppen http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/807 <ul> <li>Sektion Arbeits- und Industriesoziologie</li> <li>Sektion Religionssoziologie</li> </ul> ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/807 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000 Nachrichten aus der Soziologie http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/808 <ul> <li>Habilitationen&nbsp;</li> <li>Call for Papers&nbsp; <ul> <li>Hochschulwege 2015</li> </ul> </li> </ul> <ul> <li>Tagungen <ul> <li>Politisches Handeln in der digitalen Öffentlichkeit</li> <li>ESA 2015 Differences, inequalities and sociological imagination</li> </ul> </li> </ul> ##submission.copyrightStatement## http://publikationen.soziologie.de/index.php/soziologie/article/view/808 Wed, 01 Oct 2014 00:00:00 +0000