Epistemische Brüche
Zur Transition der Ungleichheitssemantiken zwischen Universalismus und Diversität
DOI:
https://doi.org/10.21241/Keywords:
soziale Ungleichheit, Diversität, IdentitätAbstract
In der Gegenwartsgesellschaft verlagert sich der Fokus bei der Verhandlung sozialer Ungleichheit zunehmend von ökonomischen zu identitätsbezogenen Kategorien wie Geschlecht, Herkunft und sexueller Orientierung. Diese Entwicklung kann als Ausdruck einer semantischen Transition verstanden werden. Demnach bildet soziale Ungleichheit nicht ein Abbild materieller Strukturen, sondern eine sinnhafte Konstruktionsleistung, die auf Vorstellungen von Individuen, Gruppen und Kollektiven sowie auf normativen Gleichheitsidealen beruht. Vor diesem Hintergrund lassen sich zwei epistemische Ordnungen der Ungleichheit unterscheiden: der Universalismus, der die transzendentale Gleichheit aller Menschen betont, und die Diversität, die die gesellschaftsimmanente Differenziertheit der Individuen in den Fokus rückt. Der Beitrag zeigt, dass dieser semantische Transitionsprozess sowohl auf strukturelle Folgeprobleme der gesellschaftlichen Differenzierung als auch auf die Konfrontation von Gesellschaftsstruktur und universalistischen Gleichheitserwartungen reagiert. Die Orientierung an Identitäten im Ungleichheitsdiskurs ist demnach Ergebnis der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung durch die Linse der Ungleichheit. Dadurch wird jene Realität konstruiert, auf deren Grundlage sich das Wissen über soziale Ungleichheit verändert, ausdifferenziert und anpasst.
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