LGBTQ+-Familien zwischen rechtlichen Ungleichheiten, Normalisierung und Kämpfen um Anerkennung
DOI:
https://doi.org/10.21241/Keywords:
Normalisierung, LGBTQ+, Ungleichheit, AnerkennungAbstract
Planen LGBTQ+-Personen – also lesbian, gay, bisexual, trans* und queere Personen – gemeinsam leibliche Elternschaft zu realisieren, sind sie häufig auf reproduktionsmedizinische Verfahren wie heterologe Insemination, In-vitro-Fertilisation oder die in Deutschland verbotene Tragemutterschaft angewiesen. Im Recht zeichnen sich in Deutschland Tendenzen der Gleichstellung ab, die sich als ambivalent erweisen: Zwar werden Anerkennungsdefizite gleichgeschlechtlicher Lebensformen abgebaut, etwa mit der „Ehe für alle“ (2017) und dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG, 2024), jedoch werden auch neue Ausschlüsse produziert. In unserem Vortrag präsentierten wir Befunde einer qualitativen Studie mit LGBTQ+-Familien, die wir im DFG-Projekt „Ambivalente Anerkennung. Doing reproduction und doing family jenseits der heterosexuellen Normalfamilie“ (MO 3194/2-1, PE 2612/2-1, WI 2142/7-1) durchgeführt haben. Die Studie basiert auf 19 Einzel-, Paar- und Familieninterviews und ist im Forschungsstil der Grounded Theory verfasst. Wir fragen, wie und mit welchen Reproduktionstechnologien Kinderwünsche realisiert werden (doing reproduction). Auf welche rechtlichen Hürden stoßen die Familien in ihrem Alltag und wie gehen sie damit um (doing family, doing normality)? Vor diesem Hintergrund zeigen wir, dass sie sich häufig erst als reproduktiv verstehen müssen. Wir zeichnen dann ihre langen und steinigen Wege in die Elternschaft nach und stellen auf Grundlage ihrer rechtlichen Ungleichheiten dar, wie diese im Familienalltag zum Tragen kommen. Weiter diskutieren wir, dass sie sich häufig vor der Aufgabe sehen, die Normalität ihrer Familie zu behaupten. Wir diskutieren dies als eine Antwort auf Diskriminierung und stellen Strategien dar, wie sie Normalität herstellen (müssen). Schließlich richten wir den Blick auf ihren Kampf um Anerkennung und diskutieren, ob neue Selbstverständlichkeiten an Bedeutung gewinnen können. Deutlich wird, dass sie auch auf (heterosexuelle) Familiennormen zurückgreifen. Damit verändern sie gleichzeitig die rechtlichen und gesellschaftlichen Normalvorstellungen darüber, was Elternschaft und Familie sind und sein können.
References
Teschlade, Julia, Mona Motakef und Christine Wimbauer. 2025. Auf dem Weg zur Normalität? LGBTQ+-Familien und ihr Kampf um Anerkennung. Weinheim: Campus. https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/auf_dem_weg_zur_normalitaet-18708.html?srsltid=AfmBOop_oCxcsgl1vALOFYNYQWbU5PB3s4eYe1xdhE7TKsyHuNNoipu3
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Copyright (c) 2026 Transitions. Proceedings of the 42nd Congress of the German Sociological Association in Duisburg 2025

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