Soziologie des Gartens
Postanthropozentrische Arbeitsbeziehungen in der sozial-ökologischen Transformation
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Arbeit, Naturbeziehungen, sozial-ökologische Transformation, Umweltbeziehungen, PostanthropozentrismusAbstract
In meinem Beitrag untersuche ich den Garten und gärtnerische Praktiken in der sozial-ökologischen Transformation. Im Zentrum steht die Frage, wie gärtnerische Tätigkeiten Ausdruck gegenwärtiger Naturverhältnisse sind und zugleich zu deren Neuverhandlung beitragen. Der Nutzgarten erscheint dabei als ein ambivalenter Raum: Einerseits werden hier bestehende Umweltbeziehungen – einschließlich Muster von Naturbeherrschung und -ausbeutung – reproduziert, andererseits entstehen in ihm auch Gegenentwürfe und Experimentierräume für alternative Formen des Zusammenlebens. So kann der Garten als zentrale Infrastruktur einer nachhaltigen Gesellschaft verstanden werden, in der neue ökologische Ökonomien und gemeinschaftsstiftende Praktiken entstehen.
Das Erkenntnisinteresse des Beitrags liegt in der Entwicklung eines postanthropozentrischen Arbeitsbegriffs anhand gärtnerischer Arbeit. An den Arbeitsbeziehungen im Garten lassen sich die komplexen Interaktionen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen aufzeigen. Theoretisch stütze ich mich dabei erstens auf die ökologische Sozialfigur des Gärtners bzw. der Gärtnerin, wie sie in den Arbeiten von Zygmunt Bauman und Anna Lowenhaupt Tsing entfaltet wird. Zweitens analysiere ich konkrete gärtnerische Tätigkeiten anhand zweier populärwissenschaftlicher Gartenbücher von Jakob Augstein und Byung-Chul Han.
In den beobachteten Arbeitspraktiken treffen unterschiedliche Handlungslogiken und Netzwerke aufeinander. Durch das Fördern bestimmter Pflanzen und Prozesse sowie das Zurückdrängen anderer werden Fragen nach Selbstorganisation und Ordnungsprozessen in Naturbeziehungen, produktiver und destruktiver Arbeit, Care und Kontrolle aufgeworfen und verhandelt. Der Garten wird so zum Ort einer fortlaufenden Auseinandersetzung über die Grenzen und Möglichkeiten der Naturorganisation, die sich an der Leitunterscheidung zwischen Innen und Außen sowie zwischen förderlichen und gefährlichen Elementen orientiert.
Mit diesem Fokus möchte ich einen Beitrag zur Diskussion über artenübergreifende Arbeitsbeziehungen und die sozial-ökologische Transformation leisten. Indem der Blick auf Arbeit gelenkt wird, rückt eine zentrale, bislang oft übersehene Praxis in den Debatten zum Anthropozän ins Zentrum – als Ort, an dem Umweltbeziehungen praktisch neu ausgehandelt werden.
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