Die Selbsttransformation der Katholischen Kirche und ihre Blockaden

Autor/innen

  • Simon Schmalen Institut für Soziologie, RWTH Aachen University
  • Thomas Kron Institut für Soziologie, RWTH Aachen University

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Katholische Kirche, Selbsttransformation, Sexueller Missbrauch, Transformationsblockaden

Abstract

Fünfzehn Jahre nach der ersten Offenlegung sexualisierter Gewalt am Berliner Canisius-Kolleg (2010) befindet sich die katholische Kirche in Deutschland weiterhin in einem selbstauferlegten Transformationsprozess. Der Beitrag untersucht, weshalb dieser Prozess trotz Reformbemühungen – etwa der Implementation von Verfahren der Intervention, der Prävention und der Entschädigung („Anerkennung des Leids“) – in wesentlichen Punkten stagniert. Die zentrale These lautet, dass die Kirche als Organisation ihre eigene Transformation durch strukturelle Selbstblockaden behindert.

Ausgehend von der Systemebenendifferenzierung (Gesellschaft – Organisation – Interaktion) identifizieren wir verschiedene Selbstblockaden: (1) Immunisierung durch von der Kirche selbst eingerichtete Aufarbeitungskommissionen; (2) Rechtsmissbrauch durch das Ausspielen von kirchlichem und weltlichem Recht; (3) mangelhafte Strukturänderungen sowohl bei der Aufarbeitung als auch bei der Intervention und Prävention; (4) päpstliche Gegenreaktionen und die Verweisung einer Abteilung auf die Entscheidung einer anderen Abteilung (sog. ‚autopoietische Selbstverteidigung‘); (5) Transzendentalisierung und Dogmatisierung sowohl der sexualisierten Gewalt als auch (6) der Organisationsstrukturen; sowie (7) Strategien der Externalisierung, die Verantwortung in die Gesellschaft, auf Gott oder in andere kirchliche Ebenen verlagern.

Diese Selbstblockaden verhindern den sowohl von der Kirche als auch von den Betroffenen erwarteten Veränderungsprozess: Selbsttransformation findet durchaus statt, jedoch nicht als intendierter oder intentional gesteuerter Prozess, sondern in Form eines hochgradig transintentionalen Wandels.

Author Biographies

  • Simon Schmalen, Institut für Soziologie, RWTH Aachen University

    Simon Schmalen (M.A.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie der RWTH Aachen University. Seine Forschungsschwerpunkte sind soziologische Theorien, insbesondere Systemtheorie und Theorien der Gewaltsoziologie. 

  • Thomas Kron, Institut für Soziologie, RWTH Aachen University

    Thomas Kron ist Professor für Soziologie an der RWTH Aachen University. Seine Forschungsschwerpunkte sind soziologische Theorien, insbesondere Handlungstheorie, Systemtheorie und Theorien der Gewaltsoziologie. 

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Veröffentlicht

07.10.2026

Ausgabe

Rubrik

Sektion Religionssoziologie und Sektion Wissenssoziologie: Wissen in Transitionen – Wissen über Transitionen (Sek41)

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