Beobachten, benennen, (nicht) eingreifen?
Zur Verantwortung soziologischer Forschung zu Live-In-Care bei Demenz
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Live-In-Care, Engagierte Wissenschaft, Häusliche Demenzversorgung, ForschungsverantwortungAbstract
Der Beitrag reflektiert die Herausforderungen soziologischer Forschung im Kontext der häuslichen Versorgung von Menschen mit Demenz durch osteuropäische Live-In-Hilfen. Ausgangspunkt ist der strukturelle Krisenzustand des Forschungsfeldes, der durch die Arbeit osteuropäischer Betreuungshilfen und die Belastungen von Angehörigen sowie Hilfe- und Pflegebedürftigen aufrechterhalten wird, ohne dass grundlegende Problemlagen verändert werden. Vor diesem Hintergrund diskutieren die Autor*innen die Spannung zwischen analytischer Distanz und gesellschaftlicher Verantwortung und fragen, inwiefern Forschung zu einem prekären Feld möglich ist, ohne unmittelbare Handlungsempfehlungen oder politische Positionierungen zu formulieren. Der Beitrag verortet das Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen öffentlicher und engagierter Soziologie und argumentiert, dass bereits das Sichtbarmachen von Machtverhältnissen, Strukturen und Alltagspraktiken einen wirksamen Eingriff darstellt. Soziologische Forschung wird dabei als grundsätzlich nicht unpolitisch verstanden: Ihre Stärke liegt in der verantwortlichen Analyse und Einordnung, die Deutungsräume eröffnet und Grundlagen für gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen schafft, ohne selbst als aktivistischer Akteur aufzutreten.
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