Mikroanalysen zur situativen Irritation und Reorganisation am Kapitol
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Videoanalyse, Protestforschung, Qualitative MethodenAbstract
Der Artikel untersucht den Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 aus mikrosoziologischer Perspektive und legt den Fokus auf situative Übergänge und Reorganisationsprozesse kollektiven Handelns. Mithilfe videobasierter Mikroanalyse und der Rewind-Methode werden jene kurzen Irritationsmomente sichtbar gemacht, die in linearen Eskalationsdarstellungen meist ausgeblendet bleiben. Grundlage ist umfangreiches audiovisuelles Material, darunter auch Aufnahmen der Demonstrierenden selbst. Die empirischen Vignetten zeigen, wie sich zunächst eine kollektive Ordnung durch rhythmische Synchronisierung auf der Außenseite des Kapitols stabilisiert. Durch das überraschend erfolgreiche Eindringen in das Gebäude erodiert diese Ordnung, Orientierung geht verloren und situative Offenheit entsteht. Das zuvor anscheinend geschlossene Kollektiv zerfällt in raumspezifische Szenen mit unterschiedlichen Handlungslogiken. Der Beitrag argumentiert, dass der Raum dabei nicht nur Hintergrund ist. Vielmehr ist Raum ein strukturierender Faktor. Er prägt das soziale Geschehen maßgeblich mit.
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