Zur Post-/Heteronormativität von Familienleitbildern queerer Personen in Deutschland
Eine empirisch-quantitative Untersuchung
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Familie, Familienleitbilder, Heteronormativität, QueerAbstract
Während die sozialpolitischen und rechtlichen Veränderungen der vergangenen Jahre, z. B. die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, die Modifikation bestehender Normalitätsvorstellungen von Familie zu begünstigen scheinen, wirken hierarchisierende Normen fort, etwa in der Privilegierung biologischer Verwandtschaft oder der paarförmigen, zweigeschlechtlichen Elternschaft (Wimbauer et al. 2018). Innerhalb dieser ambivalenten Gleichzeitigkeit von post-heteronormativen Ermöglichungsräumen und fortbestehenden hierarchisierenden Ordnungen entwickeln (auch) queere Personen ihre familiären Vorstellungen und Praxen.
Diese Perspektive aufgreifend, werden im Beitrag empirische Befunde aus einem laufenden Promotionsprojekt präsentiert. Anhand einer quantitativen, querschnittlichen Fragebogenerhebung wurden im Jahr 2024 familienbezogene Normalitätsvorstellungen von queeren Personen (n=652) in Deutschland erhoben und entlang des Konzepts der Familienleitbilder analysiert (Diabaté und Lück 2014, S. 56). Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, inwiefern sich spezifische Familienleitbilder bei queeren Personen identifizieren und wie sich diese Familienleitbilder im Spannungsfeld eines post-/heteronormativ geprägten gesellschaftlichen Ordnungssystems einordnen lassen. Basierend auf bi- und multivariaten statistischen Analysemethoden werden drei Familienleitbilder herausgearbeitet: das neotraditionell-abgesicherte Familienleitbild, das rolleninvertiert-strukturbewahrende Familienleitbild und das postheteronormativ-verantwortete Familienleitbild. Die Ergebnisse verdeutlichen die heterogene Binnenstruktur der Familienleitbilder queerer Personen, die sich nicht auf ein gemeinsames Narrativ reduzieren lässt.
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