Ambivalente Arbeit in der Energiewende

Multiplikator:innen zwischen Unterstützung und Prekarität

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Energiewende, Multiplikatoren, Energiewendeberatung, Aktivierung, Responsibilisierung, Bürger

Abstract

Die Energiewende ist nicht nur ein technischer Transformationsprozess, sondern ein komplexes sozio-technisches Gefüge, das auf die aktive Mitwirkung der Bürger:innen setzt. Trotz umfassenden Interesses und Wissens zur Energiewende, stellt die praktische Umsetzung für viele eine Herausforderung dar. Hier kommen Multiplikator:innen ins Spiel – Energieberatungsstellen, Bürgerenergieräte und lokale Initiativen –, die als intermediäre Akteure zwischen Politik und Bevölkerung vermitteln. Sie übersetzen politische Vorgaben in praktisches Handeln, artikulieren Bürger:innenanliegen und leisten damit einen zentralen Beitrag zur Akzeptanz und Umsetzung der Energiewende.

Der vorliegende Artikel analysiert die Rolle dieser Multiplikator:innen vor dem Hintergrund einer Energiewendepolitik, die durch Adressierung, Aktivierung und Responsibilisierung geprägt ist. Während die Politik Bürger:innen zunehmend in die Pflicht nimmt, eigenverantwortlich zu handeln („energy citizenship“), entstehen bei der Umsetzung Ambivalenzen in Form von Überforderung durch Bürokratie und fehlende (Bereitstellung von) Ressourcen. Multiplikator:innen mildern diese Spannungen, sind jedoch in ihrem Tätigsein an vielen Stellen selbst prekär aufgestellt – etwa durch projektbasierte Finanzierung, hohe Bürokratielasten und begrenzte Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Empirisch gestützt auf Workshops mit Energieberatungsstellen und Initiativen zeigt der Artikel, wie Multiplikator:innen zwischen symbolischer Anerkennung und struktureller Prekarität agieren. Ihre Arbeit ist wesentlich für die Energiewende, doch ihre eigene Situation offenbart die Grenzen einer Politik, die Verantwortung individualisiert, ohne die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Beitrag diskutiert abschließend, wie eine nachhaltige Stärkung dieser Akteure – durch langfristige Finanzierung, Entbürokratisierung und  Partizipation – die Energiewende vorangebracht werden könnte. 

Author Biographies

  • Luki Schmitz, Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Luki Schmitz arbeitet gemeinsam mit Franziska Ohde im Energiewendeforschungsprojekt EnerVi an der Goethe Universität in Frankfurt und hat davor zu Commons als Utopie und Möglichkeit für gesellschaftliche Transformationsprozesse promoviert. Zu den Forschungsschwerpunkten zählen, nebst der Energiewende, Commons und Commoning, kritische Gesellschafttheorie, Postwachstum und Solidarische Landwirtschaft. Als Nebenprojekt beschäftigt sich Luki Schmitz mit queerem (transgenerationalen) Erinnern. Kontakt: luki.schmitz@em.uni-frankfurt.de

  • Franziska Ohde, Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Franziska Ohde arbeitet im Forschungsprojekt "EnerVi" gemeinsam mit Luki Schmitz an der Goethe Universität in Frankfurt. Darüber hinaus forscht sie zur Permakultur und der Umsetzung der zugehörigen Care-Ethik in Zeiten sozial-ökologischer Krisen. Weitere Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Transdisziplinarität sowie im Bereich KI und Nachhaltigkeit. 

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Veröffentlicht

07.10.2026

Ausgabe

Rubrik

Sektion Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie: Trends und Themen in der Umwelt- und Nachhaltigkeitssoziologie (Sek58)

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