In the Uncanny Valley of the Dolls

Die Un/Eindeutigkeit des Humanen auf TikTok

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Humandifferenzierung, Soziale Medien, Anthropomorphe Artefakte, Soziale Kontrolle

Abstract

Auf TikTok werden Nutzer*innen regelmäßig mit uneindeutigen und von ihren ursprünglichen Produktionskontexten entkoppelten Inhalten konfrontiert (Bhandari und Bimo 2022, S. 8). So entpuppen sich vermeintlich alltägliche Kurzvideos schlafender Säuglinge bei näherer Betrachtung mitunter als Inszenierungen sogenannter Reborn-Dolls – lebensechter, aber lebloser Puppen.  

Ähnlichkeitsunterstellungen, etwa durch äußere Gestaltung, Namensgebung, Rollenbezeichnungen und die Orientierung an Darstellungskonventionen menschlicher Säuglinge auf Social-Media-Plattformen, führen zu irritierenden Ähnlichkeitswahrnehmungen bei Rezipient*innen: Es kommt zur Verwechslung von Aufnahmen menschlicher Babys mit Aufnahmen von Reborn-Dolls. In kommunikativen Anschlüssen Dritter an solche uneindeutigen Inhalte werden Zeichen der Aufklärung gesucht und eingefordert oder durch Versuche der eindeutigen Kategorisierung selbst vorgenommen.

Hier setzt die vorliegende Arbeit an: Mithilfe hermeneutischer Analysen von Einzelkommentaren unter Reborn-Inhalten untersucht sie Versuche der Differenzierung und Kategorisierung als Formen der Grenzarbeit. Sie rekonstruiert dabei konkrete Mechanismen der Ambiguitätsbewältigung, der nostrifizierenden Abstandsverringerung und der alterisierenden Abstandsvergrößerung zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem.

Konkret wird untersucht, wie Nutzer*innen auf TikTok mit dem Umstand umgehen, nicht mehr zweifelsfrei und ohne Weiteres zwischen Menschlichem und Dinglichem unterscheiden zu können – und welche Versuche zur Herstellung von Eindeutigkeit unternommen werden. Die Arbeit untersucht zum einen, wie der Status der Artefakte selbst, zum anderen aber auch, wie der normalisierende Umgang mit ihnen kommentiert, kategorisiert und bewertet wird.

References

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Veröffentlicht

07.10.2026

Ausgabe

Rubrik

Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie: Umstrittene Bilder. Realität(en) in Transition (Sek21)