Autoritäre Allianzen
Radikalisierung im linken Milieu und die Apologie des Islamismus
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Radikalisierung, Linke, Islamismus, Menschenrechte, UniversalismusAbstract
Eines der größten Rätsel der Gegenwart ist, wieso sich Teile dessen, was man als politische Linke bezeichnen kann, bis in ihre akademischen Vorbilder hinein mit autoritären, gewaltsamen und teils religiös-fundamentalistischen Regimen identifizieren. Die grausamen Morde, Vergewaltigungen und Entführungen des 7. Oktober haben weltweit linke und akademische Solidaritätsbekundungen ausgelöst – selten mit den Opfern, dafür erstaunlich oft mit den Tätern. Das umfasste nicht nur die palästinensische Zivilbevölkerung, die unter der israelischen Reaktion litt, sondern auch die Hamas, die Hisbollah und weitere islamistische Gruppen, die unter Führung des islamistischen Regimes im Iran gegen Israel und auch gegen die eigenen Bevölkerungen kämpfen. Als nur wenige Monate später das iranische Regime innerhalb weniger Tage wahrscheinlich mehrere Zehntausend Demonstrierende tötete, blieb Protest aus diesem Milieu überwiegend aus. Auch nach den Angriffen der USA und Israels, die das Ende der jahrzehntelangen politischen Repression und patriarchalen Unterdrückung im Iran zumindest möglich machten, galt die Unterstützung mitunter nicht den Menschen, die im Iran für Freiheit kämpfen, sondern dem islamistischen Regime.
Bisherige Untersuchungen fokussierten vor allem auf die Rolle von Antisemitismus (z.B. Stögner 2025). Aus religionssoziologischer Sicht ist daran aber auch die unkritische Allianz mit religiös-fundamentalistischen Akteuren bemerkenswert. Die Kräfte, die von Teilen der westlichen Linken unterstützt werden, sind in keiner Weise progressiv, modern oder kosmopolitisch, sondern undemokratisch, autoritär und gewaltsam. Insbesondere stehen sie gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen die Akzeptanz von Homosexualität, gegen Religionsfreiheit und Menschenrechte. Wie kommt es also, dass die Linke, die seit den frühen Sozialist:innen, über Marx und Freud, den Feminismus bis hin zur 68er-Bewegung und den Autonomen klassischerweise religionskritisch war, plötzlich zumindest in Teilen religiös-fundamentalistische Terrorgruppen unterstützt, die noch dazu mit brutalster Gewalt agieren?
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