Turbulenz als strukturbildende Unruhe

Ein Beitrag zur disziplinären Unruhe zwischen Naturwissenschaften und Soziologie

Authors

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Keywords:

Chaos- und Komplexitätstheorie, Turbulenz, Renate Mayntz, Niklas Luhmann

Abstract

In den Naturwissenschaften hat die Strömungsdynamik aufwendige Formeln und Modelle entwickelt, um Turbulenzen in natürlichen Systemen beschreiben zu können. Die Chaos- und Komplexitätstheorie hat gezeigt, dass Turbulenzen nichtlineare Dynamiken entfalten können, welche an bestimmten Tipping Points ins Chaos umschlagen können. Aus diesem Chaos heraus können aber auch neuartige Muster und Strukturen entstehen (Order from Noise), weshalb hier ein kreatives Potenzial liegt.

In unterschiedlichen Ansätzen wurde versucht, diese naturwissenschaftlichen Turbulenz-Modelle auf die Sozialwissenschaften zu übertragen. Renate Mayntz hat daran kritisiert, dass diese Modelle meist bottom-up funktionieren und die kausale Wirkung von Strukturen vernachlässigen. Diese übergeordneten Strukturen stellen aber einen zentralen Aspekt sozialer Phänomene dar. Daher sollte sich die Soziologie mit Vorsicht an naturwissenschaftlichen Modellen orientieren. 

Niklas Luhmann orientierte sich nicht direkt an den Naturwissenschaften, sondern vor allem an der Kybernetik zweiter Ordnung, die in den 1970ern einen ähnlichen Paradigmenwechsel vollzogen hatte wie die Komplexitätstheorie in den Naturwissenschaften. Bei Luhmann kommt der Begriff der Turbulenz gelegentlich vor. Die Turbulenz in der Umwelt, aber auch in systeminternen dynamischen Prozessen, kann einen Beitrag zur dynamischen Stabilisierung und strukturbildenden Kreativität leisten, besitzt aber zugleich ein katastrophisches Potenzial.

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Published

2026-10-07

Issue

Section

Ad-Hoc: Turbulenz | Zur Soziologie unruhiger Verhältnisse (AdH50)