The Subject(s) of Digital Witnessing
Über die Konstitution der digitalen Zeuginnenfigur im Umgang mit „Hologrammen“ von Überlebenden der NS-Verbrechen
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Sozialfiguren des Digitalen, Zeugenschaft, Subjektivitäten, ErinnerungskulturAbstract
Die Zeitzeugin ist in den letzten Jahrzehnten zur zentralen Sozialfigur der globalen Erinnerungskultur geworden. Sie steht als eine geschichtsbewusste, moralische und auratische Instanz für den Imperativ des „Nie wieder“ und die Mission gegen das Vergessen der NS-Verbrechen. Besorgt wird entsprechend das absehbare Ableben der letzten Überlebenden der NS-Verbrechen diskutiert. Um ihrem „Verschwinden“ zu begegnen, arbeiten seit circa 15 Jahren Projekte daran, die Ära der Zeitzeugin mit „Hologrammen“ über deren leibliche Anwesenheit hinaus zu verlängern. Mittlerweile werden diese interaktiven 3D-Zeugnisse z.B. in Schulen eingesetzt, um Zeitzeug*innengespräche zu simulieren.
Der Beitrag legt seinen Fokus auf den ambivalenten Subjekt-Objekt-Charakter der Zeugnisse. Er widmet sich den Implikationen, die dieser für die Wahrnehmung der digitalen Zeuginnenfigur durch ihr Publikum hat, aber auch denen für die Subjektivitäten der mit den Zeugnissen interagierenden Publikumsangehörigen sowie für die leibhaftigen Zeug*innen, deren Zeugnisse so digitalisert werden. Abschließend wagt der Beitrag einen Ausblick darauf, wie sich der Charakter der Zeuginnenfigur durch ihre Digitalisierung ändert und was dies für die gesellschaftliche Funktion ihrer Zeuginnenschaft bedeuten könnte.
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