„Bring Dialectics Back Into Steam!”
Zu den Verbindungspotentialen von Gesellschaftstheorie und qualitativer Forschung durch die Negative Dialektik
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Dialektik, qualitative Sozialforschung, Gesellschaftstheorie, ErkenntnismethodeAbstract
In Anlehnung an Kants Ausspruch: ‚Anschauungen ohne Begriffe sind leer‘ und in Erweiterung mit Joas und Knöbl (2009), dass Begriffe immer schon irgendwie geartete (Alltags-)Theorien enthalten, argumentieren wir mit Adorno, dass ohne Theorie keine Erkenntnis zu haben ist (Adorno 2022). Ausgehend von qualitativen Einzelfallstudien, welche die feldlogischen Eigenheiten ernst nehmen und somit einen Transfer von Begriffen, Konzepten und Kategorien erster Ordnung in Konstruktionen zweiter Ordnung leisten (Schütz 2010), schlagen wir vor, dies als Prozessbeginn einer dialektischen Analyse zu betrachten. Denn die qualitative Einzelfallstudie gilt als das Besondere in Verbindung mit dem Allgemeinen, allerdings reicht die Betrachtung der Konstruktionen zweiter Ordnung nicht aus, um diese vom Abstraktionsniveau her gesellschaftstheoretisch einzubetten. Das dialektische Denken soll hier als verbindende Begriffsarbeit vorgestellt werden: Zwischen empirischer Einzelfallstudie und gesellschaftstheoretischer Betrachtung. Die Einzelfallstudie rückt die Erfahrungen und Perspektiven von Individuen und das subjektive Wissen der Akteure in den Mittelpunkt, um die Komplexität sozialer Realität zu erfassen, während die dialektische Betrachtung jene gesammelten Daten und Erkenntnisse systematisch analysiert und verallgemeinert, und so über die Stufe der Rekonstruktion typischer Muster hinaus, eine Verknüpfung zur Gesellschaftstheorie leisten kann.
Es geht darum, komplexe Zusammenhänge und Mechanismen von sozialem Handeln, sozialem Wandel und sozialer Ordnung zu beleuchten. Dieses mehrstufige Verfahren geht davon aus, dass Empirie ohne Theorie blind bleibt, aber eine Theorie ohne Empirie leer und abstrakt. Die so vermittelten Einsichten der qualitativen Einzelfallforschung, betrachtet als Puzzleteile des sozialen Raums, können so bestehende Gesellschaftstheorien herausfordern und durch die Begriffsarbeit einen Beitrag zum wissenschaftlichen Fortschritt von Gesellschaftstheorien leisten, mit und durch qualitative Forschung.
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