Schlafmedizin als Ort der Sinnintegration
Kontingenzbewältigung zwischen subjektivem Erleben und medizinischer Kategorisierung
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Sinnintegration, epistemische Prekarität, SchlafAbstract
Im Beitrag wird eine wissenssoziologische Perspektive auf die Schlafmedizin als Ort der Sinnintegration unter Bedingungen epistemischer Prekarität entwickelt. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass schlafbezogene Beschwerden sich einfachen Objektivierungen entziehen und damit etablierte medizinische Ordnungsmuster irritieren. Die Schlafmedizin wird als soziale Sinnwelt konzipiert, in der subjektives Erleben, institutionalisierte Wissensordnungen und technische Verfahren aufeinander bezogen werden müssen, ohne je vollständig zur Deckung zu kommen. Sinnintegration wird dabei nicht als Ergebnis diagnostischer Zuschreibung verstanden, sondern als relationaler, interaktiver Prozess, der auf Anerkennung angewiesen bleibt. Gerade im Feld der Schlafmedizin zeigt sich, dass medizinische Legitimität nicht allein aus Evidenz, Klassifikation oder professioneller Autorität erwächst, sondern fortlaufend hergestellt werden muss. Der Beitrag argumentiert, dass Schlafmedizin aufgrund ihres Gegenstands – eines zeitlich begrenzten, prozessualen und nur indirekt zugänglichen Körperzustands – in besonderer Weise mit epistemischer Prekarität konfrontiert ist. Anhand ethnografischer Befunde aus schlafmedizinischen Kontexten wird zusammenfassend gezeigt, wie medizinische Ordnungsvorstellungen stabilisiert, zugleich jedoch immer wieder infrage gestellt werden. Die Schlafmedizin erscheint damit als exemplarischer Fall moderner Medizin, an dem die Kontingenz medizinischer Sinnwelten und ihre Anerkennungsabhängigkeit analytisch sichtbar werden.
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