Nichtbinarität als Mehrfachzugehörigkeit
Kategorisierungs- und Differenzierungsprozesse in queeren Communities
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Nichtbinarität, Humandifferenzierung, Kategorisierung, Intersektionalität, QueerAbstract
Nichtbinarität ist situiert im Spannungsfeld zwischen dem Versuch, Geschlechterkategorien zu überwinden, und ihrer Verfestigung als neue Personenkategorie. Dieser Beitrag nutzt Nichtbinarität als analytische Perspektive („thinking with nonbinary“), um zwei grundlegende Eigenschaften sozialer Differenzierung sichtbar zu machen: die Unvermeidbarkeit von Kategorisierung und die Zwangsläufigkeit intersektionaler Verschränkungen. Auf Basis von diskursiven und situierten Interviews sowie ethnographischen Beobachtungen in queeren Communities zeigt sich: Selbst explizit anti-kategoriale Positionierungen unterliegen dem Kategorisierungszwang: „man kann nicht nichts sein“. Zugleich existiert Geschlecht nie isoliert, sondern immer verschränkt mit anderen Differenzachsen (Sexualität, Dis/Ability, Neurodivergenz, Race, Alter). Im Anschluss an Hirschauers Konzept der Humandifferenzierung und Brubakers „Modi des Trans“ wird untersucht, wie Kategorisierungen situativ relevant gemacht werden, wie sich Modi der Nichtbinarität unterscheiden und wie differenzverstärkende und differenzminimierende Kreuzungen praktisch wirksam werden. Der Beitrag schließt mit einer Reflexion über das Potenzial von „thinking with nonbinary“ als Perspektive, die grundlegende Eigenschaften sozialer Differenzierung sichtbar macht: die Unvermeidbarkeit von Kategorisierung und die Zwangsläufigkeit multipler Zugehörigkeiten.
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