Krisenerschöpfte und politischer Rückzug nach der Pandemie

Subjektive Krisenerfahrungen und langfristige Folgen für politische Teilhabe

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Krise, politische Erschöpfung, Jugend, Eltern, Covid-19

Abstract

In Reaktion auf die COVID-19-Pandemie wurden Maßnahmen eingeführt und in Abhängigkeit von den Infektionszahlen gelockert, teilweise aufgehoben oder in modifizierter Form wieder eingeführt. Dabei war das Ziel, zwischenmenschliche Kontakte und damit die Übertragungsraten zu reduzieren. In der Konsequenz wurden Bereiche der Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben temporär „heruntergefahren“ – ein Stresstest für Politik und Gesellschaft. In dieser Analyse blicken wir darauf, welche Konsequenzen die Pandemie für zwei Bevölkerungsgruppen hatte: (1) Eltern mit damals schul- bzw. betreuungspflichtigen Kindern sowie (2) Jugendliche, die während der Pandemie selbst schulpflichtig waren. Hierfür haben wir in Sachsen vier Gruppendiskussionen durchgeführt, jeweils eine mit Eltern und Jugendlichen in einer Groß- und in einer Kleinstadt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die mit den Corona-Beschränkungen einhergehenden Mehrfachbelastungen zu einem graduellen Rückzug aus politischer Partizipation führen konnten – vor allem im Hinblick auf den Nachrichtenkonsum. Nicht Empörung oder grundlegende Enttäuschung war ausschlaggebend, sondern vielmehr das von den Teilnehmenden der Gruppendiskussionen empfundene Gefühl der Überforderung und Erschöpfung. Deshalb sprechen wir von einer durch die COVID-19-Pandemie beschleunigten „politischen Erschöpfung“, die von Gesellschaft und Politik unadressiert die Krise der liberalen Demokratie vertiefen kann.

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Veröffentlicht

07.10.2026

Ausgabe

Rubrik

Ad-Hoc: Veränderungspioniere und Veränderungserschöpfte. Zur Soziologie der Wahrnehmung sozialen Wandels (AdH98)