Noch-nicht-Wissen kommunizieren

Videografische Untersuchung von Studierenden in kollaborativen Lerngruppen

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Lernen, Wissenssoziologie, Phänomenologie, Videographie, Ingenierstudierende, Kommunikative Gattungen

Abstract

Problembasiertes Lernen (PBL) ist eine hochschuldidaktische Lehr-Lernmethode, die u. a. durch kollaboratives Lernen gekennzeichnet ist. Ausgehend von einer durch eine Lehrkraft vorformulierten fachpraktischen Aufgabenstellung sollen die Studierenden in Kleingruppen eine eigenständige Lösung finden. Das Ziel besteht darin, Wissenslücken in Bezug auf die zugrunde liegende Problemstellung zu identifizieren, neue Inhalte zu erarbeiten und diese zusammenzuführen, um einen gemeinsamen Konsens zu finden. In den Lerngruppen ist die Kommunikation der Akteur*innen teilweise von einem „Noch-nicht-Wissen“ gekennzeichnet, das in multimodalen, nicht-sprachlichen, leibkörperlichen Handlungen zum Ausdruck kommt. Dazu gehören Als-ob-Handlungen, bei denen sie ihre Körper zu Objekten formen, als ob ihre Hände z. B. Zahnräder wären, um zur Ermittlung der Drehrichtung eines Getriebes verschiedene Drehbewegungen mit den Händen zu erproben. Der Gegenstand der Kommunikation wird in Gesten übersetzt, die ein leibkörperliches Provisorium formen (z. B. die zu Zahnrädern geformten Hände) und den Körper des Handelnden für die Gruppe intersubjektiv erfahrbar machen. Gleichzeitig ermöglicht eine reflexive Selbstwahrnehmung des Handelnden durch die sinnlichen Gesten der Drehbewegung, dem Problem subjektiv nachzuspüren.

Mit der Forschungsfrage: „Wie wird Noch-nicht-Wissen in der Kommunikation von Studierenden der Ingenieurwissenschaft in kollaborativen Lerngruppen leibkörperlich vollzogen, um gemeinsam eine Lösung zu finden?“ wurden videografische Daten erhoben und aus der Sicht der Wissenssoziologie und der Theorie des „Kommunikativen Konstruktivismus“ (Knoblauch 2017) mithilfe der Videographie (Tuma et al. 2013) und der „fokussierten Ethnographie“ (Knoblauch und Vollmer 2022) analysiert.

Durch die Gattungsanalyse (Luckmann 1986) konnten kommunikative Formen identifiziert werden, die neben der sprachlichen Interaktion insbesondere leibkörperliche Interaktionen in den Mittelpunkt stellen. Das Poster gibt am Beispiel einer Videosequenz Einblicke in die Analyse, in der Studierende in kollaborativen Lerngruppen leibkörperliche, kommunikative Formen nutzen, um einen gemeinsamen Konsens zu finden.

References

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Veröffentlicht

07.10.2026

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Posterausstellung