Das Recht auf Leben gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht

Deutungen professioneller Akteurinnen im Feld des Schwangerschaftsabbruchs

Autor/innen

  • Dr. Elisabeth Wiesnet Hochschule München

DOI:

https://doi.org/10.21241/

Schlagwörter:

Schwangerschaftsabbruch, professionelle Deutungen, strafrechtliche Regulierung, reproduktive Selbstbestimmung, Grounded Theory

Abstract

Schwangerschaftsabbrüche gehören zu den häufigsten Eingriffen, unterliegen in Deutschland jedoch einer strafrechtlichen Reglementierung. Diese präsentiert den Embryo zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft als gleichwertiges Gegenüber der Schwangeren. Der Blick auf die historische Genese dieser Strafrechtsverankerung zeigt, dass die aktuelle Gesetzgebung maßgeblich dem im 19. Jahrhundert durchgesetzten Prinzip der Simultanbeseelung folgt. Die tiefgreifende Tabuisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ist dabei vor allem Folge der beiden Bundesverfassungsgerichtsurteile gegen eine Reglementierung außerhalb des Strafrechts. Nicht nur gesellschaftliche und politische Diskurse sind von der gesetzlichen Kriminalisierung beeinflusst, sondern auch die Deutungen professioneller Akteurinnen im Feld des Schwangerschaftsabbruchs. Der vorliegende Beitrag untersucht auf Basis problemzentrierter, leitfadengestützter Interviews im Forschungsstil der Grounded Theory die Deutungen einer (frühen) Schwangerschaft und ihres Abbruchs. Die Positionierungen der Beraterinnen und Ärztinnen sind dabei von Widersprüchlichkeiten, Uneindeutigkeiten und Unsicherheiten gekennzeichnet. Eine grundsätzliche Infragestellung des gesetzlich konstruierten Konflikts zwischen Schwangerer und Embryo bleibt jedoch weitgehend aus. 

Author Biography

  • Dr. Elisabeth Wiesnet, Hochschule München

    Elisabeth Wiesnet ist Soziologin, studierte Soziologie, Gender Studies und Statistik und promovierte am Institut für Soziologie der LMU München. In ihrer Dissertation analyisierte sie staatliche Regulierungen von Schwangerschaftsabbrüchen als Formen des Zugriffs auf Frauen und reproduktive Körper und untersuchte sowohl die konkrete Ausgestaltung dieser Interventionen als auch die Deutungen professioneller Akteur:innen im Feld. Die Arbeit wurde von der Heinrich-Böll-Stiftung gefördert. Derzeit arbeitet Elisabeth Wiesnet als Referentin für Gendercontrolling an der Hochschule München. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in reproduktiven Politiken, qualitativen Methoden und feministischen Staatstheorien. 

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Veröffentlicht

07.10.2026

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Ad-Hoc: Fötus, Embryo, Zellhaufen, Schwangerschaftsgewebe, Baby, Kind? Konstruktionen des | »Ungeborenen« in verschiedenen Feldern der Reproduktion (AdH39)