Personalisierung oder Entpersonalisierung? Ein sozialtheoretischer Ansatz zur Analyse von Intellektuellen

  • Tilman Reitz Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Susanne Martin
Schlagworte: Intellektuelle, Politik, Geschichte

Abstract

Neuere Beiträge zur Intellektuellenkategorie (Gil Eyal und Larissa Buchholz, Müller-Doohm und Mitarbeiterinnen) plädieren dafür, sich von den großen intellektuellen Persönlichkeiten zu verabschieden und stattdessen die Struktur intellektueller Debatten und Interventionen zu analysieren. Der Beitrag legt dar, dass diese Zugangsweise von Gramsci bis Foucault schon lange erprobt wurde, belegt Inkonsequenzen in den neueren Ansätzen und argumentiert dafür, den Personalisierungsgrad intellektueller Praxis selbst als historisch-sozial variabel zu begreifen. Erst so werden verschiedene Typen von Intellektuellen unterscheidbar und die Beteiligten selbst als Katalysatoren geschichtlicher Erfahrung begreifbar.

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Veröffentlicht
2015-12-23
Rubrik
Ad-hoc: Krise der Intellektuellen?! – Intellektuellensoziologie in Zeiten von Experten, sozialen Bewegungen und Bloggern