Essen im Spannungsfeld zwischen Genuss und Askese - Kulturhistorische Perspektiven

Eva-Maria Endres

Abstract


Historische Einflüsse prägen das heutige Verständnis von Genuss und Diätmoral. Bereits in der Antike geriet der Genuss als Praxis der Ausschweifung in Verruf. Mit der antiken diaita wurde eines der ersten Regelwerke geschaffen, welches den Bürger der polis zur Mäßigung anhalten sollte. Im Mittelalter verschärften religiöse Einflüsse die Forderung zu einer gemäßigten Diät bis hin zu Vorstellungen einer heiligen Anorexie. Auch das Aufkommen einer naturwissenschaftlichen Betrachtung der Ernährung in der Moderne verdrängte die Anerkennung sozialer und kultureller Funktionen des Essens zu Gunsten normativer Ernährungsempfehlungen. Mit dem Blick auf ausgewählte historische Perspektiven ermöglicht der Beitrag ein besseres Verständnis auf die Entstehung der Vorstellungen von Genuss und Diätmoral der Gegenwart.

Schlagworte


Hedonismus; Geschmack; Exzess; Essen; Genuss; Askese

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