Professionalisierung lebensweltlicher Krisen durch Technik? Zur Betreuung demenziell erkrankter Personen mittels sozial assistiver Robotik

Michaela Pfadenhauer, Christoph Dukat

Abstract


Vor dem Hintergrund unseres Interesses an sozio-technischen Pflege-Arrangements untersuchen wir, wie ‚sozial assistive’ Roboter in der stationären Altenpflege bzw. -betreuung und hier insbesondere bei demenziell erkrankten Personen eingesetzt wird. Hierfür führen wir eine ethnographische Langzeitforschung in einem Altenpflegezentrum eines kirchlichen Trägers durch, in dem aktuell zwei Exemplare dieses Roboters zum Einsatz kommen. Eingesetzt werden sie hier ausschließlich von „zusätzlichen Betreuungskräften“ nach § 87b Abs. 3 SGB XI zur. Unser Anliegen ist es aufzuzeigen, wie diese Betreuungskräfte das Gerät in ihrer professionellen Praxis der Aktivierung von Heimbewohnern mit Demenz einsetzen, d.h. welche Performanz mit dieser besondere Art von Technik einhergeht. Dabei konnten wir zwei Varianten beobachten: im Fall einer „alterity relation“ agiert die Betreuerin als Teilnehmerin (des Gesprächs mit der Bewohnerin und dem Roboter). Im zweiten Fall einer „hermeneutics relation“ zwischen Mensch und Technik agiert die Betreuerin als Beobachterin (des Umgangs der Bewohnerin mit dem Roboter). Aus letzterer Verwendung in Kombination mit der Eigenart der Technik wird performativ ein relativ beständiger Kommunikationszeitraum aufspannt. Unsere Frage lautet, ob die derzeit von gering qualifizierten Zusatzkräften ausgeführten Betreuungs- und Aktivierungsmaßnahmen durch derlei technische Artefakte einen Professionalisierungsschub und die typischerweise damit einhergehende Aufwertung erfahren.


Schlagworte


Soziale Robotik; Professionalisierung; Demenz

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Literaturhinweise


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