Krisenmanagement unter dem Primat der Verrechtlichung? Das Bundesverfassungsgericht und die „Eurokrise“

Uwe Kranenpohl

Abstract


Die seit den 1970er Jahren konstatierten Prozesse der „Verrechtlichung“ und „Justizialisierung“ politischer Entscheidungen machen vor Krisen nicht halt. Lange Zeit galt zwar, dass, wenn die „Republik in Not“ sei, die „Stunde der Exekutive“ schlage, doch hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entsprechenden Entwicklungen schon mit seiner Entscheidung über Auslandseinsätze der Bundeswehr einen Riegel vorzuschieben versucht. Ähnliche Entwicklungen sind nun auch in der Karlsruher Rechtsprechung zum üblicherweise als „Eurokrise“ titulierten Geflecht von Finanz-, Staatsschulden- und Wirtschaftsproblemen zu beobachten.

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Bundesverfassungsgericht

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