Zum affirmativen Potenzial soziologischer Kritik. Überlegungen zur Dialektik von Kritik und Affirmation in den Sozialwissenschaften

Andreas Stückler

Abstract


Die Aufgabe – und zugleich die große Herausforderung – soziologischer Kritik besteht in der konsequenten und rückhaltlosen Analyse gesellschaftlicher Herrschafts- und Machtverhältnisse. Nur kraft eines umfassenden Verständnisses der sozialen Ursachen gesellschaftlicher Probleme und Missstände kann Kritik überhaupt in der Lage sein, eine Perspektive zu eröffnen, durch die potentiell eine Überwindung des kritisierten Zustandes und mithin eine Veränderung zum Besseren möglich würde. Diese Aufgabe wird indes oft nur unzureichend erfüllt, wobei als eine der Hauptursachen eine ausgeprägte und weiter zunehmende Praxisorientierung soziologischer Kritik identifiziert werden kann. Kritik bleibt dabei so hoffnungslos verstrickt mit jenem gesellschaftlichen Zustand, den sie eigentlich verändern möchte, dass sie diesen mit ihrer Kritik häufig sogar unfreiwillig stabilisiert und selbst reproduziert – sie wird tendenziell affirmativ. Diese Dialektik soziologischer Kritik wird im vorliegenden Beitrag näher beleuchtet wie auch Überlegungen zu möglichen Auswegen und Alternativen angestellt.


Schlagworte


Kritik; Theorie; Dialektik; Praxisorientierung; Kritische Theorie

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