Die Ordnung der Dramatisierung – disruptiver sozialer Wandel im Lichte soziologischer Zeitdiagnostik

Oliver Dimbath

Abstract


Soziologische Zeit-, Gegenwarts- oder Gesellschaftsdiagnostik hat einen zweifelhaften Ruf. Anstelle einer Kritik dieses 'Genres' soziologischer Literatur kann man diese Textgattung aber auch aus wissenssoziologischer Perspektive untersuchen. Man gelangt dann sowohl zu einer 'Ordnung der Dramatisierung' bzw. einer Typologie der Krisendiagnostik sowie zu spezifischen Mustern der Plausibilisierung gesellschaftlichen Wandels. Der Beitrag identifiziert mit Blick auf soziologische Zeitdiagnosen ein Auflösungs- oder Atomisierungsmotiv, das mit Zerfalls- und Destabilisierungskrisen verbunden wird, ein Standardisierungs- oder Konzentrationsmotiv, welches auf Verdrängungs- und Sublimierungskrisen verweist und ein Reflexivitäts- oder Selbsttransformationsmotiv, das mit Orientierungs- oder Diffusionskrisen in Verbindung steht. Ferner werden drei Stufen einer gattungsspezifischen Konstruktion von Vergangenheit entwickelt.


Schlagworte


Zeitdiagnose, Gegenwartsdiagnose, Gesellschaftstheorie, Modernisierung, Sozialer Wandel

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