Krise der Arbeitsgesellschaft? Der Bamberger Soziologiekongress 1982 im Rückblick und Ausblick im Kontext von Digitalisierung, Arbeitsmarkt- und Qualifikationsentwicklung

Olaf Struck

Abstract


Der Bamberger Soziologiekongress 1982 widmete sich der Frage „Krise der Arbeitsgesellschaft?“ Ein Thema, das die Debatten lange Zeit und weit über die Soziologie hinaus bestimmte. Mit der konstatierten Krise verbanden sich damals Diagnose und Hoffnung von einem „Entschwinden“ der Arbeitsgesellschaft (Dahrendorf 1980). Nicht selten wurde damit der Wunsch zu gesellschaftlicher Neuformation jenseits von fremdbestimmten Erwerbszwängen und Ausbeutungsmechanismen postuliert.

Auf dem diesjährigen Kongress der deutschen Gesellschaft für Soziologie wurde in einer Sonderveranstaltung (mit Beteiligung von Kerstin Jürgens, Horst Kern, Stephan Lessenich, Claus Offe, Jürgen Walwei und dem Autor dieses Beitrages) die Frage erneut aufgenommen. Wiederum ist es das Ziel sich des Verständnisses von Gesellschaft zu vergewissern. Einer Gesellschaft, so viel sei vorweg genommen, der weder die Erwerbsarbeit noch deren an Märkten und zweckrationalen Effizienzkriterien ausgerichtete individuelle und gesellschaftliche Bedeutung abhandengekommen ist. Der Beitrag verdeutlicht: Nicht ein „Ende der Arbeitsgesellschaft“, sondern eine nach wie vor ungleiche Verteilungen im Zugang zu Erwerbsarbeit sowie in Bezahlung, Beanspruchung und Handlungsmöglichkeiten in der Erwerbsarbeit kennzeichnen die Arbeitsgesellschaft damals wie heute. Zentral sind Krisen in der Arbeitsgesellschaft.


Schlagworte


Arbeit; Arbeitsmarkt; Bildung; Digitalisierung; soziale Ungleichheit

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