Kinderwissen und die Perspektiven Erwachsener – geteiltes oder exklusives Wissen?

Peter Rieker

Abstract


Die Sichtweisen von Kindern werden zunehmend ernst genommen und finden in verschiedenen Handlungsfeldern Gehör bzw. fließen in Entscheidungen ein. Dabei stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis diese zu den Sichtweisen und Wissensbeständen anderer Akteure und etablierter Experten stehen. Lässt sich diesbezüglich eine Hierarchisierung beobachten? Wie ist das Passungsverhältnis zwischen Wissensbeständen aus unterschiedlichen Perspektiven? Und wie wird mit Diskrepanzen und Übereinstimmungen umgegangen?

Diese Fragen sollen im vorliegenden Beitrag mit Bezug auf eine Untersuchung zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz erörtert werden, für die Sichtweisen von Kindern, Eltern sowie pädagogischen Fachkräften aus schulischen und außerschulischen Handlungsfeldern einbezogen sowie mit teilnehmenden Beobachtungen ergänzt wurden. Auf dieser Grundlage lassen sich die verschiedenen Perspektiven vergleichen und es soll diskutiert werden, was wir aus der Kontrastierung verschiedener Perspektiven lernen können.

Vergleichende Analysen zeigen, dass aus den unterschiedlichen Perspektiven jeweils sehr spezifische Wissensbestände ableiten lassen, die mitunter auch exklusive Qualitäten haben. Relevant für diese spezifischen Sichtweisen sind jedoch nicht nur Fragen des Generationenverhältnisses, sondern auch institutionelle Settings und professionelle Selbstverständnisse bzw. Selbstverständlichkeiten. Vergleiche zwischen diesen Perspektiven ermöglichen nicht nur die Ermittlung von Übereinstimmungen und Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Sichtweisen sondern geben auch Aufschluss über ihre jeweiligen Ausgangspunkte sowie über die Art und Weise, in der diese Perspektiven verhandelt werden. Auf diese Weise wird eine Annäherung an die Ausprägungen von Kinderwissen in verschiedenen Kontexten sowie die in diesen Kontexten relevanten Umgangsweisen mit Kinderwissen möglich.

Schlagworte


Kinder; Erwachsene; subjektive Perspektiven

Volltext:

PDF

Literaturhinweise


Breidenstein, G., Hirschauer, S., Kalthoff, H., Nieswand, B. 2013: Ethnografie. Die Praxis der Feldforschung. Stuttgart: UTB.

Hart, R. A. 1992: Children’s participation – From tokenism to citizenship. Florenz: UNICEF ICDC, http://www.unicef-irc.org/publications/pdf/childrens_participation.pdf (letzter Aufruf 04. Juni 2015).

McCarthy, J. R., Holland, J., Gillies, V. 2003: Multiple perspectives on the ‚family‘ lives of young people: Methodological and theoretical issues in case study research. International Journal of Social Research Methodology, Vol. 6, No. 1, 1–23.

Perlesz, A., Lindsay, J. 2003: Methodological triangulation in researching families: Making sense of dissonant data. International Journal of Social Research Methodology, Vol. 6, No. 1, 25–40.

Reichenbach, R. 2006: Diskurse zwischen Ungleichen. Zur Ambivalenz einer partizipativen Pädagogik. In: C. Quesel, F. Oser (Hg.), Die Mühen der Freiheit. Probleme und Chancen der Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Zürich, Chur: Rüegger, 39–61.

Rieker, P. 2005: Delinquenz aus Sicht von Eltern und Kindern – Herausforderungen und Chancen der Triangulation subjektiver Perspektiven. Psychotherapie und Sozialwissenschaft – Zeitschrift für Qualitative Forschung, 7. Jg., Heft 2, 95–129.

Rieker, P., Mörgen, R., Schnitzer, A., Stroezel, H. 2016a: Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Formen, Bedingungen und Möglichkeiten der Mitwirkung und Mitbestimmung in der Schweiz. Wiesbaden: Springer VS.

Rieker, P., Mörgen, R., Schnitzer, A. 2016b: „Wir sind nicht wichtig!“ Zur Bedeutung pädagogischer Fachkräfte für die Partizipation von Kindern in der Gemeinde. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 11, 225–240.

Rosenthal, G. 2014: Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.

Strauss, A. L. 1998: Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung. München: Fink.

Sturzbecher, D., Langner, W., Waltz, Ch. 2000: Wieviel Autonomie besitzen Kinder? Ein Vergleich der Perspektiven von Kindern und ihren Erziehungspersonen. In H.-P. Kuhn, H. Uhlendorf, L. Krappmann (Hg.), Sozialisation zur Mitbürgerlichkeit. Opladen: Leske + Budrich, 199–217.

Witzel, A. 2000: Das problemzentrierte Interview. Forum Qualitative Sozialforschung, 1. Jg., Heft 1, http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/1132 (letzter Aufruf 04. Juni 2015).


Refbacks

  • Im Moment gibt es keine Refbacks


Copyright (c) 2017 Geschlossene Gesellschaften - 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie