Kinder als ExpertInnen ihrer Lebensräume. Forschungen mit Kindern in der Stadt- und Raumplanung.

Raphaela Kogler

Abstract


Kinder sind ExpertInnen ihrer Lebenswelt und sollen bei kindorientierter Forschung aktiv eingebunden werden, damit nicht „über“ Kinder und Kindheit, sondern „mit“ Kindern und damit so weit als möglich aus ihrer Perspektive geforscht wird. Diese Perspektivenverlagerung findet nicht nur in den „new childhood studies“ statt, sondern auch in anderen sozialwissenschaftlichen Feldern werden die relevanten sozialen Gruppen aktiv eingebunden. Ein Beispiel hierfür ist die interdisziplinärer Stadt- und Raumplanung, die auf der Praxisebene Beteiligung und Perspektivenpluralismus etabliert.

Im Beitrag wird diskutiert, wie Themen und Projekten zu Kinder, Kindheit und Sozialraum in der Stadt- und Raumplanung, angelehnt an die sozialräumliche Kindheitsforschung, behandelt werden. Am Beispiel der Raumaneignung und dem Spielplatz als erwachsenenbestimmten Kinderort wird auch die Differenzierung von erwachsenenzentrierten und kindzentrierten Sichtweisen ersichtlich.

Am Ende deuten partizipative, innovative Forschungen mit Kindern darauf hin, dass gemeinsames Planen und Forschen dem kindorientiertem Wissen „mehr“ bzw. ein „anderes“ Gewicht verleihen können, um Kinder als ExpertInnen bei der Erforschung ihrer subjektiven Lebensräume miteinzubeziehen.


Schlagworte


Sozialräumliche Kindheitsforschung; Partizipation; Raumaneignung; Stadt- und Raumplanung; innovative Methoden; Kinderorte;

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