Selbstoptimierung contra personale Nachhaltigkeit – die Fitness-Kultur als Anforderung subjektivierten Arbeitens

  • Sebastian Brandl Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)
  • Ino Matuschek Universität Duisburg-Essen
Schlagworte: nachhaltige Arbeit, Subjektivierung, Interessenvertretung

Abstract

Seit geraumer Zeit finden in den Betrieben Angebote zur individuellen Gesundheitsvorsorge wie zur Optimierung des eigenen Arbeitsvollzugs Verbreitung. Vom Ernährungskurs über Gesundheitschecks und sportlicher Aktivität bis hin zu Zeit- und Selbstmanagement reichen die Angebote. Vordergründig stellt sich eine Win-win-Situation ein: der Erhalt individueller Gesundheit kommt auch dem Betrieb in Zeiten alternder Belegschaften zu Gute, ein verbessertes Selbstmanagement verhilft zu effizienterer oder mehr Arbeitsleistung. In der Perspektive der Subjektivierung von Arbeit sind betriebliche Angebote zur Aktivierung immer auch als Anforderung zu verstehen, sich im Sinne der work- und employability zu verhalten. Der Beitrag widmet sich der Frage, inwieweit solche Maßnahmen zu einer 'erzwungenen' Selbstoptimierung führen können und warum daraus ein Problem für Solidarisierung und Interessenvertretung werden kann.

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Veröffentlicht
2017-08-16
Rubrik
Ad-Hoc: Nachhaltige Arbeit?