(Un-)gebrochene Handlungsmacht in deutschen Ausländerbehörden. Grenzanalyse in Erzählungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Lisa Janotta

Abstract


Gegenstand des Beitrags ist die Ko-Konstruktion von Grenzen in Erzählungen von Arbeitserfahrungen durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutscher Ausländerbehörden. Zunächst werden auf der Basis eines praxistheoretischen Grenzbegriffes Ausländerbehörden als Grenzräume verstanden. Anschließend an methodologische Überlegungen zum Erzählen von Arbeitserfahrungen und dem Interview als Produktionsraum spezifischer Erzählungen werden zwei kontrastierende Interviewausschnitte gegenübergestellt: Eine Erzählung ungebrochener und eine Erzählung gebrochender Handlungsmacht von Sachbearbeiterinnen in Ausländerbehörden. Schließlich wird die Grenzanalyse verdichtet. Die Grenze gestaltet sich in den Erzählungen als Komplex von Ein- und Ausschlüssen, in denen das Ringen um Definitionsgewalt die nicht totale Handlungsmacht der beruflichen Akteurinnen dokumentiert. In der Figur des (il-)legitimen Ausländers schließlich wird ein die prekäre Figur des nationalen Anderen rekonstruiert.
Der Beitrag stellt erste Verdichtungen aus dem Promotionsprojekt "Grenzen. Aufenthalt als Gegenstand von Entscheidung und Beratung" (Arbeitstitel) vor.


Schlagworte


Grenze; doing border; Ausländerbehörde; Narration; Interview; Grenzregime; border struggles

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