Riskante Diskurse. Arabische Netzakteurinnen als Produzentinnen von Gegenöffentlichkeiten

Christina Schachtner

Abstract


Der Beitrag beschäftigt sich mit den diskursiven Praktiken von arabischen Netzakteurinnen und Bloggerinnen, die auf Antagonismen in Gesellschaften verweisen, die sich als homogen und geschlossen behaupten wollen. Gender bildet in diesen Gesellschaften eine zentrale heteronormative Ordnungskategorie, die nicht nur eine klare Trennlinie zwischen Männern und Frauen zieht, sondern mit dieser Trennlinie auch die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatheit sowie die Verteilung von Rechten bestimmt. Gegen die Hegemonie dieser dualen Ordnung formieren sich die diskursiven Praktiken der arabischen Netzakteurinnen und Bloggerinnen, die Gegenöffentlichkeiten im Sinne von Nancy Fraser (1996) etablieren. Die durch die Online-Diskurse aufgedeckten Antagonismen signalisieren neue Denkräume, die sich als Möglichkeit zur Anerkennung kultureller Differenzen den Polaritäten Ich/Anderer, Mann/Frau, Einheimische/Fremde entziehen (Babka/Posselt 2012:15). Diese Denkräume ähneln dem von Homi K. Bhabha eingeführten Konzept des Dritten Raums, der von ihm als Raum der Kritik und Subversion rigider hierarchischer Ordnungen und Identitätskonstruktionen charakterisiert wird (Bhabha 2000). Gender wird in den analysierten Online-Diskursen in der Verknüpfung mit anderen Kategorien wie soziale Ungleichheit, Menschenrechte, Migration zur Quelle politischer Kritik.

Die empirische Basis bildet die vom Fonds für wissenschaftliche Forschung (FWF) und von der VWStiftung geförderte Studie „Kommunikative Öffentlichkeiten im Cyberspace“.


Schlagworte


Diskurse; arabische Netzakteurinnen; Gender; Gegenöffentlichkeiten

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