„Vielleicht war der Teufel im Spiel“: Die Suggestion von Verschwörung und die Konstruktion der Sicherheitsbehörden in der ARD-Trilogie „Mitten in Deutschland: NSU“

Karl N. Renner, Tanjev Schultz

Abstract


Im April 2016 sendete die ARD im Erstes Programm den Dreiteiler „Mitten in Deutschland: NSU“. Damit wollte der Sender auch einen Beitrag zur Aufklärung des NSU-Komplexes leisten. Zwar war die Trilogie als Spielfilmreihe konzipiert, sie lehnte sich aber eng an die realen Ereignisse rund um den "Nationalsozialistischen Hintergrund" (NSU) an. Der Beitrag analysiert, wie der dritte Film der Reihe durch eine verschwörungstheoretische Erzählung in die öffentliche Darstellung und Diskussion über den NSU eingreift. Als zentral erscheinen die Konstruktionen, mit denen die Arbeit der Sicherheitsbehörden – Polizei und Verfassungsschutz – in ein düsteres Licht gestellt wird. „Vielleicht war der Teufel im Spiel“, heißt es zu Beginn des dritten Teils der Reihe. Der Beitrag zeigt die filmischen und dramaturgischen Mittel, mit denen die Suggestion einer Verschwörung erreicht wird und kontrastiert diese an ausgewählten Beispielen mit den Fakten, wie sie sich aus den NSU-Ermittlungen und der Gerichtsverhandlung zum NSU bisher ergeben haben.

 


Schlagworte


NSU; ARD; Verschwörungstheorien; Polizei; Verfassungsschutz; Geheimdienste; Kriminalität; Terrorismus; Spielfilm

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