Aneignungs- und Aushandlungsprozesse im öffentlichen Raum - Ergebnisse aus der Vorbereitung eines Projekts zu sich verändernden Raumwahrnehmungen im Zuge der Zuwanderung von Flüchtlingen

Heike Herrmann

Abstract


Die sich im Jahr 2015 verstärkende Flüchtlingswanderung aus den Krisenländern der Welt stellt eine gesellschaftliche Herausforderung dar, die das Leben in den Städten und Kommunen veränderte. Im öffentlichen Raum treffen - mehr als zuvor - einander fremde aufeinander. Über die mit den Flüchtlingen verbundene Vielfalt und gegenseitige Fremdheit entstehen neue Akteurskonstellationen, wechselseitige Wahrnehmungen und Wirkungsgefüge im öffentlichen Raum.

Der Beitrag stellt die Vorarbeiten zum Forschungsprojekt "Aneignungs- und Aushandlungsprozesse im öffentlichen Raum - eine explorative Untersuchung zu veränderten Raumwahrnehmungen und -gestaltungen durch den Aufenthalt von Flüchtlingen in zwei Sozialräumen der Städte Dortmund und Düsseldorf" vor. Es werden Ergebnisse einer Sekundäranalyse sozialstatistischer Daten, einer Expertenbefragung sowie von Raumbeobachtungen in der Dortmunder Nordstadt zur Diskussion gestellt. Die Vorarbeiten dienten der Identifizierung und Charakterisierung von "Orten der Begegnung" aus der Sicht der Expert/-innen sowie einer ersten Benennung von Wahrnehmungsmustern bezüglich dieser Räume. Die sogenannten "Problemimmobilien" und "Incivilities" dominieren nach den ersten Ergebnissen die Raumwahrnehmung an spezifischen Orten, während an anderer Stelle Räume nach Aneignungskonflikten zu "ruhigen Orten" geworden sind. Die im Verlauf des genannten Projekts im Jahr 2017 durchgeführten Befragungen von alteingesessenen und zugewanderten Bewohnergruppen sowie Gruppendiskussionen mit eben diesen werden zeigen, welche Wahrnehmungsmuster, Unterschiede im Raumerleben und mit den Räumen verknüpfte Konflikte bei den Bewohnern selbst zu finden sind.


Schlagworte


Stadtforschung; Zuwanderung; Dortmund

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