Krise der Arbeitsgesellschaft: Postulat mit unzureichender Evidenz

Ulrich Walwei

Abstract


Die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes war und ist Ausgangspunkt für Debatten um eine vermeintliche „Krise der Arbeitsgesellschaft“. Im Kern steht dabei die Annahme, dass es nicht genug Arbeit gebe bzw.  die Arbeit auf Dauer sogar ausgehen würde. Zwar kann es in Folge schwerer Wirtschaftskrisen zu beträchtlichen und langandauernden Arbeitsmarktprobleme kommen. Diese dürfen aber nicht als Anzeichen einer systemimmanenten Krise des Arbeitsmarktes gedeutet werden. Der Beitrag will zeigen, dass es für das Postulat einer „Krise der Arbeitsgesellschaft“ keine ausreichende Evidenz gibt. Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Verbesserungen der Arbeitsmarktlage wie von selbst einstellen würden. Vielmehr bedarf es für einen nachhaltig hohen Beschäftigungsstand sowohl kontinuierlicher Anstrengungen des Staates zur Gestaltung passender Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt als auch eines proaktiven Mitwirkens von Betrieben und Individuen.

Schlagworte


Arbeitsgesellschaft; Zukunft der Arbeit; Arbeitsmarktpolitik

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