Soziale Prägungen und fachkulturelle Sozialisationsprozesse - am Beispiel des Ingenieurberufs

Tobias Sander, Jan Weckwerth

Abstract


Das Personal der Professionen setzt sich aus einerseits sozial-alltagskulturell und andererseits fachkulturell spezifisch geprägten Akteur/-innen zusammen. Der vorliegende Beitrag nimmt das Verhältnis dieser Dimensionen und deren gegenseitige Verschränkungen in den Blick. Am Beispiel des Ingenieurberufs werden Differenzen und Analogien zwischen den Alltagskulturen, den beruflich-akademischen Fachkulturen und den professionellen Tätigkeitsprofilen skizziert – wobei in diesem Fall die Analogien überwiegen. Durch den vergleichsweise nahtlosen Anschluss der Fachkulturen an die alltagskulturellen Dispositionen reproduzieren und verstetigen sich die sozialisatorischen ‚Mitbringsel‘ der Personen als auch die Struktur des (Ausbildungs-)Feldes. Diese doppelte Stabilität erwies sich allerdings als hinderlich für tiefgreifende Ausbildungsreformen, die aufgrund der Veränderung der Berufsprofile im Zuge des Wandels der industriellen Arbeitsorganisation zur Debatte standen.


Schlagworte


Sozialisation, Profession, Beruf, Habitus, Lebensstile, Berufszugang

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