Grenzen (in) der Interaktion. Konzeptuelle Überlegungen zur Untersuchung der Grenzen undifferenzierter Sozialsysteme

Florian Muhle

Abstract


Der Beitrag geht anhand der Beschäftigung mit Grenzen (in) der Interaktion der Frage nach, welche Heuristiken, Konzepte und Theorien bei der Analyse von sozialen Grenzkonstellationen helfen. In diesem Kontext plädiert er für einen kommunikationstheoretischen Zugang zur Analyse sozialer Grenzkonstellationen, der sich auf die Sinngrenzen sozialer Systeme konzentriert und sich zudem durch eine Verknüpfung kommunikationstheoretischer Überlegungen, wie sie insbesondere im Rahmen der Luhmann’schen Systemtheorie entwickelt wurden, mit analytischen Konzepten auszeichnet, die unterschiedlichen Varianten der ethnomethodologischen Konversationsanalyse (KA) entstammen. Mithilfe dieser Instrumente lässt sich zum einen ein grundlegend operatives Verständnis gesellschaftlicher Grenzziehungen entwickeln, welches soziale, sachliche und zeitliche Dimensionen dieser Grenzziehungsprozesse differenziert und in den Blick nimmt. Darüber hinaus können insbesondere durch die Kombination von Kommunikationstheorie und KA auch die Besonderheiten der Art und Weise wie Interaktionen als spezifische Sozialsysteme solche Prozesse vollziehen, dargelegt werden.

Schlagworte


Grenzen des Sozialen; Systemtheorie; Konversationsanalyse; Interaktion; Membership Categorization Analysis

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