Bedingungen der Diskriminierung von Flüchtlingen

  • Jürgen Friedrichs Universität zu Köln
  • Felix Leßke Universität zu Köln
  • Vera Schwarzenberg Universität zu Köln
Schlagworte: Flüchtlinge, Kontakttheorie, Ethnische Bedrohung, Vorurteile, Migration, Kölner Flüchtlingsstudien

Abstract

Wir haben untersucht, unter welchen Bedingungen Minoritäten diskriminiert werden. Dies geschah am Beispiel von Flüchtlingen, die in Wohngebieten untergebracht wurden. Auf der Basis von Befragungen, die wir in zwei Wellen in sechs Wohngebieten in Hamburg, Köln und Mülheim an der Ruhr durchgeführt haben, untersuchen wir die Einstellungen der Anwohner/innen zu Flüchtlingen. Wir verwenden ein komplexes Modell, dessen Annahmen Hypothesen von Blalock und Allport weiter führen. Wir beziehen ferner Arbeiten zur Kontakt-Theorie ein. Untersucht werden die Effekte von sozialen Gruppen, individuellen Merkmalen, kultureller und wirtschaftlicher Bedrohung und Kontakten zu Flüchtlingen auf deren Diskriminierung.

Unsere Studie zeigt, dass eine kulturelle und wirtschaftliche Bedrohung wahrgenommen wird, wobei die kulturelle Bedrohung stärker ist als die wirtschaftliche und eine hohe Bedrohung durch beide Dimensionen nur bei etwa 16 Prozent der Befragten vorliegt. Wir zeigen ferner, dass Kontakte die Diskriminierung verringern. Wie die multivariaten Analysen zeigen, führen die Bedrohungen sowie das Alter und die Kontakte zu geringeren Vorurteilen.

Autor/innen-Biografien

Jürgen Friedrichs, Universität zu Köln

Jürgen Friedrichs, Jg. 1938, Prof. em. Dr., geb. 1938, ist ehemaliger Direktor des Forschungsinstitutes für Soziologie und war Mitherausgeber der „Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie“ (bis 2012). Seit 2007 ist er emeritiert, aber weiterhin im Institut für Soziologie und Sozialpsychologie in der Lehre und Forschung tätig. Seine aktuellen Forschungsprojekte sind Integration von Flüchtlingen (Kölner Flüchtlings-Studien), Städtische Armutsgebiete und Gentrification.

Felix Leßke, Universität zu Köln

Felix Leßke, Jg. 1988, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in den „Kölner-Flüchtlingsstudien“ unter der Leitung von Prof. em. Dr. Jürgen Friedrichs. Zudem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Fachbereich Soziologie der Universität Bonn. Seine Arbeitsschwerpunkte sind quantitative empirische Sozialforschung, Migrations- und Flüchtlingsforschung, klassische soziologische Theorie sowie Sozialstruktur- und Ungleichheitsanalyse.

Vera Schwarzenberg, Universität zu Köln

Vera Schwarzenberg, Jg. 1989, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in den „Kölner-Flüchtlingsstudien“ unter der Leitung von Prof. em. Dr. Jürgen Friedrichs. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Qualitative empirische Sozialforschung, Flüchtlingsforschung, Entwicklungssoziologie sowie Entwicklungszusammenarbeit.

Literaturhinweise

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Friedrichs, Jürgen, Felix Leßke und Vera Schwarzenberg. 2019. Fremde Nachbarn. Die sozialräumliche Integration von Flüchtlingen in Hamburg, Köln und Mülheim an der Ruhr. (in Vorbereitung). Wiesbaden: Springer.

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Veröffentlicht
2019-10-15
Zitationsvorschlag
[1]
Friedrichs, J., Leßke, F. und Schwarzenberg, V. 2019. Bedingungen der Diskriminierung von Flüchtlingen. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Okt. 2019).
Rubrik
Sektion Stadt- und Regionalsoziologie: Globale Netzwerke der Flucht – lokale Netzwerke der Integration von Geflüchteten