Das Hervorbringen von Vielfalt in der Shoppingmall

  • Marius Meinhof Universität Bielefeld
Schlagworte: Konsum, China, Pluralisierung, Subjektivation, Videographie, Dispositiv

Abstract

Im folgenden Aufsatz ziehe ich videographische Daten von Interaktionen während des Shoppings in Shoppingmallgeschäften in China heran, um die situierte Etablierung von Vielfalt in Shoppingmalls zu untersuchen. Anhand der exemplarischen Daten skizziere ich das Argument, dass in Shoppingmallgeschäften eine bestimmte Art von Vielfalt, und damit indirekt auch eine bestimmte Art von Auswahl hervorgebracht wird. Diese Vielfalt wird auf drei Ebenen hervorgebracht: Die Vielfalt des Angebotes wird in Interaktionen zwischen Kund*innen und Verkäufer*innen als eine geteilte Situationsdefinition etabliert; der Geschäftsraum wird so arrangiert, dass seine Waren als vielfältiges Angebot erlebbar und erkundbar werden; das Geschäft und sein Angebot werden so designt, dass eine bestimmte, in Marketingdiskursen entworfene Vorstellung von Vielfalt realisiert wird. Die Vielfalt des Angebotes ist damit nicht einfach durch die Anzahl oder Beschaffenheit der Objekte im Geschäft bedingt, sondern wird sozial konstruiert – und das in einer Weise, die nur eine bestimmte Art von Vielfalt fördert. Das Angebot der Shoppingmall erlaubt dabei eine Vielfalt von Waren und Stilen, aber nicht unbedingt eine Vielfalt von verschiedenen Umgangsweisen mit Waren.

Literaturhinweise

Bauman, Zygmunt. 2009. Leben als Konsum. Hamburg: Hamburger Ed.

Beck, Ulrich und Elisabeth Beck-Gernsheim, Hrsg. 1994. Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Beck, Ulrich, Anthony Giddens und Scott Lash. 1997. Reflexive Modernization. Politics, Tradition and Aesthetics in the Modern Social Order. Cambridge: Polity Press.

Foucault, Michel. 2008. Security, Territory, Population. Lectures at the College de France. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Gaugele, Elke. 2003. „Ich misch das so“. Jugendmode: Ein Sampling von Gender, Individualität und Differenz. In Jugend, Mode, Geschlecht. Die Inszenierung des Körpers in der Konsumkultur, Hrsg. Elke Gaugele und Kristina Reiss, 34–49. Frankfurt am Main: Campus.

Hanser, Amy. 2008. Service Encounters. Class, Gender, and the Market for Social Distinction in Urban China. Stanford: Stanford University Press.

Hitzler, Ronald, und Anne Honer. 1994. Bastelexistenz. Über subjektive Konsequenzen der Individualisierung. In Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften. Hrsg. Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim, 307–315. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Horkheimer, Max, und Theodor W. Adorno. 2009. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verl.

Kopytoff, Igor. 1986. The Cultural Biography of Things: Commoditization as Process. In The Social Life of Things. Commodities in Cultural Perspective, Hrsg. Arjun Appadurai, 64–91. New York: Cambridge University Press.

Llewellyn, Nick, und Jon Hindmarsh. 2013. The Order Problem. Inference and Interaction in Interactive Service work. Human Relations 66:1401–1426.

Marcuse, Herbert. 1968. Der eindimensionale Mensch. Neuwied: Luchterhand.

Meinhof, Marius. 2017. Colonial Temporality and Chinese National Modernization Discourses. Interdisciplines 8:51–80.

Meinhof, Marius. 2018a. Geplante Pluralisierung – Konsum, Sozialwissenschaft und die Erschaffung einer modernen Bevölkerung in China. In Aspekte des sozialen Wandels in China. Familie, Bildung, Arbeit, Identität, Hrsg. Björn Alpermann, Birgit Herrmann und Eva Wieland, 325–353. Wiesbaden: Springer VS.

Meinhof, Marius. 2018b. Mikrodispositive als Bindeglied zwischen ethnomethodologischer Videoanalyse und Dispositivanalyse. In Handbuch Qualitative Videoanalyse. Method(olog)ische Herausforderungen - forschungspraktische Perspektiven, Hrsg. Christine Moritz und Michael Corsten, 167–180. Wiesbaden: Springer; Springer VS.

Meinhof, Marius. 2018c. Shopping in China. Dispositive konsumistischer Subjektivation im Alltagsleben chinesischer Studierender. Wiesbaden: Springer VS.

Miller, Peter, und Nikolas Rose. 1997. Mobilizing the Consumer. Assembling the Subject of Consumption. Theory, Culture and Society 14:1–36.

Reiss, Kristina. 2003. Heute bin ich so, morgen bin ich anders: Postmoderne Lebensstile als Medium jugendlicher Identitätsbildungen. In Jugend, Mode, Geschlecht. Die Inszenierung des Körpers in der Konsumkultur, Hrsg. Elke Gaugele und Kristina Reiss, 16–33. Frankfurt am Main.

Ritzer, George. 2006. Die McDonaldisierung der Gesellschaft. Konstanz: UVK.

Rofel, Lisa. 1999. Other Modernities. Gendered Yearnings in China After Socialism. Berkeley, Calif.: University of California Press.

Rose, Nikolas. 1992. Governing the Enterprising Self. In The Values of the enterprise culture. The moral debate, Hrsg. Paul Heelas und Paul Morris, 141–164. London, New York: Routledge.

Rössel, Jörg, und Simone Pape. 2010. Lebensstile und Konsum. In Wirtschaftssoziologie. Sonderband 49 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Hrsg. Jens Beckert und Christoph Deutschmann, 344–365. Wiesbaden: VS Springer.

Schrage, Dominik. 2003. Integration durch Attraktion. Konsumismus als massenkulturelles Weltverhältnis. Mittelweg 36:57–86.

Schrage, Dominik. 2009. Die Verfügbarkeit der Dinge. Eine historische Soziologie des Konsums. Frankfurt am Main, New York: Campus-Verlag.

Schulze, Gerhard. 2005. Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Frankfurt am Main: Campus.

Tuma, René, Bernt Schnettler und Hubert Knoblauch. 2013. Videographie. Einführung in die interpretative Videoanalyse sozialer Situationen. Wiesbaden: Springer.

Veröffentlicht
2019-07-22
Zitationsvorschlag
[1]
Meinhof, M. 2019. Das Hervorbringen von Vielfalt in der Shoppingmall. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Juli 2019).
Rubrik
Ad-Hoc: Konsum als Vermittler globaler und lokaler Entwicklungen: Mittelschichten im globalen Süden, Digitalisierung und andere aktuelle Fälle. Nachwuchsforum Konsumsoziologie