Städtebauliche Planung im Wandel mediatisierter Öffentlichkeiten

Bürgerliches Engagement zwischen Partizipation und politischem Aktivismus

  • Ajit Jacob Singh Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung
Schlagworte: Stadtplanung, Bürgerbeteiligung, Mediatisierung, Öffentlichkeit

Abstract

Der Beitrag diskutiert, inwieweit sich Stadtplanung und Bürgerbeteiligung durch Prozesse der Mediatisierung verändern und setzt dies in ein Verhältnis zu einer sich stark im Wandel befindenden Öffentlichkeit. Aufzeigen lässt sich dieser Wandel anhand unterschiedlicher Initiativen und sozialer Bewegungen, die insbesondere in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt am Main zu wirkmächtigen Akteuren in Planungsprozessen werden. Auf der Grundlage ethnographischer Untersuchungen eines öffentlichen Bürgerbeteiligungsverfahrens in einer deutschen Großstadt wird zunächst auf die lokale Interaktionsordnung geschaut und gefragt, (1) wie und mittels welcher kommunikativen Praktiken sich die in die Planung involvierten Akteure positionieren und (2) in welcher Form dabei professionsgebundene wie alltagsweltliche Wissensbestände ausgehandelt, objektiviert und legitimiert werden. Einbezogen wird hierbei die materielle Dimension kommunikativ und mediatisiert erzeugter Öffentlichkeit(en), Diskurse und Räume und damit auch die Vermittlung zwischen situativen und transsituativen Ordnungsebenen des Sozialen.   

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Veröffentlicht
2019-09-02
Zitationsvorschlag
[1]
Singh, A. 2019. Städtebauliche Planung im Wandel mediatisierter Öffentlichkeiten. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Sep. 2019).
Rubrik
Sektion Wissenssoziologie: Lokale Interaktionsordnungen und globale Wandlungsprozesse