Beständigkeit, ‚Erosion‘ und Degradierung – zur Entwicklung industrieller Facharbeit

  • Ingo Matuschek Hochschule der Bundesagentur für Arbeit
Schlagworte: Facharbeit, Beruflichkeit, Digitalisierung, Erosion der Facharbeit

Abstract

Die Rede von der Erosion ist nicht neu, insbesondere durch die Digitalisierung ist sie aber neu entflammt. Änderungen in der Facharbeit, im System beruflicher aus und Weiterbildung und den soziokulturellen Facetten von Beruflichkeit zeigen ambivalente Entwicklungen. Sie sprechen dafür, differenzierter zu bewerten, ob Erosionen oder Beständigkeiten vorherrschen. Der Beitrag verweist auf Veränderungen innerhalb des Berufes und fasst dies als Degrdierung qualifizierter beruflicher Tätigkeit. Das kennzeichnet weniger eine globale Erosion der Facharbeit als vielmehr einen ökonomisch induzierten Zugriff auf qualifizierte Arbeitskraft bei geringer Neigung, diese zu entsprechend ihres Qualifikationsniveaus einsetzten zu wollen und zu entlohnen. Digitalisierung kann damit als ein Einfallstor für solche Degardierungstndenzen angesehen werden.

Literaturhinweise

Abel, J. 2018. Kompetenzentwicklungsbedarf für die digitalisierte Arbeitswelt (= FGW-Studie Digitalisierung von Arbeit 09), Düsseldorf: Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V., http://www.fgw-nrw.de/fileadmin/user_upload/FGW-Studie-I40-09-Abel-komplett-web.pdf

Arntz, M., T. Gregory, F. Lehmer, B. Matthes und U. Zierahn. 2016. Arbeitswelt 4.0 – Stand der Digitalisierung in Deutschland: Dienstleister haben die Nase vorn. IAB-Kurzbericht 22/2016.

Autor, D. 2013. The “tasks approach” to labor markets: an overview. Journal for Labor Market Research 3/2013:185–199.

BA. 2018. Systematik und Verzeichnisse KldB 2010 https://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Grundlagen/Klassifikation-der-Berufe/KldB2010/Systematik-Verzeichnisse/Systematik-Verzeichnisse-Nav.html

Baethge, M., H. Solga und M. Wieck. 2007. Berufsbildung im Umbruch. Signale eines längst überfälligen Aufbruchs. Berlin: edition sigma.

Baethge, M., und V. Baethge-Kinsky. 1998. Jenseits von Beruf und Beruflichkeit? – Neue Formen der Arbeitsorganisation und Beschäftigung und ihre Bedeutung für eine zentrale Kategorie gesellschaftlicher Integration. Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 31:461–472.

Beck, U., M. Brater und H. Daheim. 1980. Soziologie der Arbeit und Berufe. Materialien zu einer subjektbezogenen Theorie der Berufe. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Benner, H. 1981. Zur Frage der verfassungsrechtlichen Grundlage des dualen Systems der Berufsausbildung. BWP 10(1):20–21.

BiBB. 2018. Betriebliches Ausbildungsangebot legt kräftig zu BIBB-Analyse zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2018. Pressemitteilung 52/2018, Bonn 12.12.2018 https://www.bibb.de/de/pressemitteilung_88618.php

BiBB. 2017. Qualitätssicherung der betrieblichen Ausbildung im dualen System in Deutschland. https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/8455

Bosch, G. 2018. Strukturen und Dynamik von Arbeitsmärkten. In Handbuch Arbeitssoziologie, Hrsg. F. Böhle, G.G. Voß und G. Wachtler, Band 2, 325–360. Wiesbaden: Springer VS (2.Auflage).

Bosch, Gerhard. 2014. Facharbeit, Berufe und berufliche Arbeitsmärkte. WSI-Mitteilungen 1:5–13.

BMAS. 2018. Qualifizierungsoffensive – Informationen über die Qualifizierungsoffensive und die Beitragssatzverordnung zur Senkung des Beitragssatzes zur Arbeitsförderung https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Qualifizierungsoffensive/qualifizierungsoffensive.html

Demszky v. d. Hagen, A. und G. G. Voß. 2018. Beruf und Profession. In Handbuch Arbeitssoziologie, Hrsg. F. Böhle, G.G. Voß und G. Wachtler, 477–538. Wiesbaden: Springer VS.

Deutschmann, C. 2005. Latente Funktionen der Institution des Berufs. In Perspektiven des Berufskonzepts – Die Bedeutung des Berufs für Ausbildung und Arbeitsmarkt, BeitrAB 297, Hrsg. M. Jacob und P. Kupka, 3–16. BiB: Nürnberg.

Dörre, K., K. Pickshaus und R. Salm. 2001. Re-Taylorisierung: Arbeitspolitik contra Marktsteuerung. Sozialismus Supplement. Hamburg.

Dostal, W., F. Friedemann Stooß und L. Troll. 1998. Beruf – Auflösungstendenzen und erneute Konsolidierung. Mitteilungen zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 3:438–460.

Drexel, I. 2005. Die Alternative zum Konzept des Berufs: das Kompetenzkonzept – Intentionen und Folgeprobleme am Beispiel Frankreichs. In Perspektiven des Berufskonzepts – Die Bedeutung des Berufs für Ausbildung und Arbeitsmarkt, BeitrAB 297, Hrsg. M. Jacob und P. Kupka, 39–54.

Dunkmann, K. 1922. Die Lehre vom Beruf. Eine Einführung in die Geschichte und Soziologie des Berufs. Berlin: Trowitzsch

Durkheim, E. 1893. Über soziale Arbeitsteilung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp (Ausgabe 1977).

Frey, C. B. und M. A. Osborne. 2013. The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerization? Oxford Martin School, Working Paper 18, Oxford.

Greb, U. 2009. Der Bildungsbegriff in einführenden Schriften zur Didaktik der Berufs- und Wirtschaftspädagogik. www.bpat.de

Heisler, D. 2015. Berufsideal und moderner Arbeitsmarkt. Die Modernisierung des Arbeitsmarktes und ihre Konsequenzen für berufsförmige Erwerbstätigkeit. Bielefeld: Bertelsmann.

Jacob, M. und P. Kupka, Hrsg. 2005. Perspektiven des Berufskonzepts – Die Bedeutung des Berufs für Ausbildung und Arbeitsmarkt. BeitrAB 297, Nürnberg.

Kern, H. und M. Schumann. 1984. Das Ende der Arbeitsteilung? München: Beck.

Klages, H. und T. Gensicke 2001. Wertesynthese – funktional oder dysfunktional. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 58(2):332–351.

Kleemann, F., J. Westerheide und I. Matuschek. 2019. Arbeit und Subjektivität. Aktuelle Debatten der Arbeits- und Industriesoziologie. Wiesbaden: Springer VS (im Erscheinen)

Konietzka, D. 2007. Berufliche Ausbildung und der Übergang in den Arbeitsmarkt. In Bildung als Privileg. Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. Hrsg. R. Becker und W. Lauterbach, 273–302. Frankfurt a.M.: Campus.

Kurtz, T. 2002. Berufssoziologie. Bielefeld: transcript

Litt, T. 1964. Technisches Denken und menschliche Bildung. Heidelberg: Quelle & Meyer.

Lipsmeier, A. 1998. Vom verblassenden Wert des Berufs für das berufliche Lernen. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik 94:481–495.

Luers, R. 1988. Zum Begriff des Berufs in der Erziehungswissenschaft. Kritik und Rekonstruktion aus analytisch-empirischer Sicht. Frankfurt a.M.: Peter Lang.

Matuschek, I., F. Kleemann und T. Haipeter. 2018. Industrie 4.0 und die Arbeitsdispositionen der Beschäftigten – Zum Stellenwert der Arbeitenden im Prozess der Digitalisierung. Düsseldorf: fgw.

Meyer, R. 2015. Beruf als soziales Konstrukt zwischen Entberuflichung und Professionalisierung – Entgrenzungen ‚vorwärts nach weit‘ in Richtung einer professionsorientierten Beruflichkeit. In Verallgemeinerung der Beruflichen – Verberuflichung des Allgemeinen? Hrsg. B. Ziegler, 23–26. Bielefeld: Bertelsmann.

Nida-Rümelin, J. 2014. Der Akademisierungswahn: Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung. Edition Körber-Stiftung.

Palla, R. 1994. Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe. Frankfurt a.M.: Eichborn.

Pilz, M. 2009. Modularisierungsansätze in der Berufsbildung. Deutschland, Österreich, Schweiz sowie Großbritannien im Vergleich. Bielefeld: Bertelsmann.

Schrader, J. 2003. Berufliche Weiterbildung zwischen Öffentlichkeit und Privatheit. Report 26(1):142–152.

Voß, G. 2001. Auf dem Wege zum Individualberuf? Zur Beruflichkeit des Arbeitskraftunternehmers. In Aspekte des Berufs in der Moderne, Hrsg. T. Kurz, 287–314. Opladen: Leske + Budrich.

Veröffentlicht
2019-09-03
Zitationsvorschlag
[1]
Matuschek, I. 2019. Beständigkeit, ‚Erosion‘ und Degradierung – zur Entwicklung industrieller Facharbeit. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Sep. 2019).
Rubrik
Sektion Arbeits- und Industriesoziologie: Erosion der Facharbeit? Veränderungen von Fachlichkeit und Beruflichkeit im Kontext von technologischem Wandel, Akademisierung und Globalisierung