Helmut Schelskys Ordnungsvorstellungen in ihrem ideengeschichtlichen Kontext

  • Andreas Schwarzferber Uni Frankfurt/Main
Schlagworte: Schelsky

Abstract

In den politischen Regimes der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, insbesondere im deutschen Nationalsozialismus, kulminiert, abstrakt gesprochen, eine länger schwelende Ordnungskrise. Aus dem Denken, das diese Ordnungskrise begleitet, indem es sie intellektuell zu bewältigen sucht, werden später - in der Phase, die man dann die Nachkriegszeit nennen wird - Muster "institutionalisierter Dauerreflexion" entstehen. Um diese Muster, wie z.B. Schelsky ausdrücklich eines in Form einer Soziologie etabliert, zu verstehen, muss man also zunächst die Krisenbewältigungsversuche der 1930er Jahre verstanden haben.

Mit Blick auf Schelsky fällt dabei auf, dass er sich zu Zwecken dieses Versuchs ins Einvernehmen mit einem der Klassiker des modernen Ordnungsdenkens setzt: mit Thomas Hobbes. Dieser Rückgriff auf die Tradition ist umso bemerkenswerter, wenn man sich verdeutlicht, dass er mit ihm nicht allein ist: mit Carl Schmitt und Leo Strauss gibt es zwei weitere prominente intellektuelle Akteure, deren Krisenbewältigungsversuche im Mittel einer Neulektüre von Hobbes ablaufen. Um Schelskys Hobbes-Studie und mit ihr die Grundlagen seines Beitrags zur Nachkriegssoziologie einordnen zu können, empfiehlt sich daher ein Vergleich mit den Hobbes-Studien von Strauss und Schmitt. Dieser Vergleich ist das Ziel des Vortrags, der damit zugleich den ersten Schritt einer ideengeschichtlich aufgeklärten Neulektüre von Schelskys Schriften markiert.

Literaturhinweise

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Veröffentlicht
2019-07-08
Zitationsvorschlag
[1]
Schwarzferber, A. 2019. Helmut Schelskys Ordnungsvorstellungen in ihrem ideengeschichtlichen Kontext. Nicole Burzan (Hg.) 2019: Komplexe Dynamiken globaler und lokaler Entwicklungen. Verhandlungen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen 2018. . 39, (Juli 2019).
Rubrik
AG Sozial- und Ideengeschichte der Soziologie: Ideengeschichtliche Aufklärung der Soziologie