Institutionalisierte Geschlechterbilder in (über)organisationalen Handlungskontexten

Eine Analyse am Beispiel der Chemie

  • Melanie Roski Sozialforschungsstelle/TU Dortmund
Schlagworte: Gender, Unternehmertum, Chemie, Organisation

Abstract

Für die Betrachtung des Zusammenwirkens von Arbeit und Geschlecht sind organisationale Aushandlungsprozesse von zentraler Bedeutung. Im Rahmen dieser werden nicht nur bestehende Geschlechterbilder wirksam, sondern vielfach auch neu verhandelt, bestätigt oder gegebenenfalls abgelöst, wobei hier auch überorganisationale Handlungskontexte relevant werden. Sie bestimmen mit, welche Geschlechterbilder sich institutionalisieren und in Organisationen und organisationalen Feldern manifestieren oder sich mit bestehenden disziplinären, branchenbezogenen oder beruflichen Institutionen verknüpfen. Erst aus diesem Wechselspiel, so einer der zentralen Ausgangspunkte dieses Beitrags, ergeben sich Auswirkungen auf das (berufliche) Handeln der Akteure und die Aushandlung von Strukturen in Organisationen und den sie umgebenden organisationalen Feldern.

Letzteres wird anhand der exemplarischen Betrachtung einer ausgewählten Branche – hier: die Chemiebranche – untersucht. Im Fokus steht die Wirkung institutionalisierter Geschlechterbilder und -stereotype im organisationalen Feld „Chemie“. Insbesondere in der Verknüpfung dieser mit anderen handlungsleitenden Institutionen, die sich unter anderem aus der Fach- bzw. Branchenkultur ergeben, entfalten sich besondere geschlechterdifferenzierende Auswirkungen auf das (berufliche) Handeln der individuellen Akteur*innen und der Multiplikator*innen in den verschiedenen Organisationen im Feld.

Literaturhinweise

Abels, Heinz. 2010. Berger und Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. In Interaktion, Identität, Präsentation. Kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie. Hagener Studientexte zur Soziologie, 5. Aufl., Hrsg. Heinz Abels, 87–114. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.

Aulenbacher, Brigitte. 2014. Institutionelle Logiken – Anregungen für die kritische Arbeitsforschung und Gesellschaftsanalyse? Working Paper der DFG-KollegforscherInnengruppe Postwachstumsgesellschaften 10/2014. Jena.

Berger, Peter L., und Thomas Luckmann. 2004. Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl.

Czarniawska, Barbara, und Bernward Joerges. 1996. Travel of Ideas. In Translating organizational change. De Gruyter Studies in Organization, Bd. 56, Hrsg. Barbara Czarniawska-Joerges und Guje Sevón, 13–48. Berlin, New-York: Walter de Gruyter.

DiMaggio, Paul J., und Walter W. Powell. 1983. The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48:147–160.

Friedland, Roger, und Robert R. Alford. 1991. Bringing Society Back In: Symbols, Practices, and Institutional Contradictions. In The new institutionalism in organizational analysis, Hrsg. Walter W. Powell und Paul J. DiMaggio, 232–263. Chicago: University of Chicago Press.

Funder, Maria. 2017. Einführung: Neo-Institutionalismus und Geschlechterforschung – Reflexionen über Schnittstellen, theoretische Konzepte und empirische Befunde. In Neo-Institutionalismus – Revisited. Bilanz und Weiterentwicklungen aus der Sicht der Geschlechterforschung. Arbeit, Organisation und Geschlecht in Wirtschaft und Gesellschaft, 1. Auflage, Hrsg. Maria Funder und Ursula Müller, 9–31. Baden-Baden: Nomos.

Funder, Maria, und Martina Sproll. 2012. Symbolische Gewalt und Leistungsregime. Geschlechterungleichheit in der betrieblichen Arbeitspolitik. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. 2020. Statistik der Chemiestudiengänge 2019. Eine Umfrage der GDCh zu Chemiestudiengängen an Universitäten und Hochschulen in Deutschland. Kurzversion. Frankfurt am Main.

Henninger, Annette, und Helga Ostendorf, Hrsg. 2005. Die politische Steuerung des Geschlechterregimes. Beiträge zur Theorie politischer Institutionen. Politik und Geschlecht, Bd. 13. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Kelley, Donna J., Benjamin S. Baumer, Candida Brush, Patricia G. Greene, Mahnaz Mahdavi, Mahdi Majbouri, Marcia Cole, Monica Dean und René Heavlow. 2017. Global Entrepreneurship Monitor 2016/2017. Report on Women's Entrepreneurship. http://gemconsortium.org/report/49860 (Zugegriffen: 4. April 2018).

Krook, Mona Lena, und Fiona Mackay. 2011. Introduction: Gender, Politics, and Institutions. In Gender, Politics and Institutions. Towards a Feminist Institutionalism. Hrsg. Mona L. Krook, 1–20. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Löffler, Marion. 2011. Feministische Staatstheorien. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Campus Verlag GmbH.

Lounsbury, Michael. 2001. Institutional Sources of Practice Variation. Staffing College and University Recycling Programs. Administrative Science Quarterly 46:29.

Offenberger, Ursula, und Julia Nentwich. 2017. Chancengleichheit, Translation und Interpretative Repertoires – Die Übersetzung des Bundesprogramms Chancengleichheit an einer Schweizer Universität oder: ein Tanzkurs für Elefanten im Raum. In Neo-Institutionalismus – Revisited. Bilanz und Weiterentwicklungen aus der Sicht der Geschlechterforschung. Arbeit, Organisation und Geschlecht in Wirtschaft und Gesellschaft, Hrsg. Maria Funder und Ursula Müller, 307–337. Baden-Baden: Nomos.

Pascher, Ute. 2009. Ergebnisse des Werkstattgesprächs zum Thema "Technologieorientierte/ chemiebezogene Gründungen unter Gendergesichtspunkten". Arbeitspapiere zum Projekt Exichem 2. Duisburg.

Pascher, Ute, Katrin Jansen, Gabriele Thiesbrummel und Hans Uske. 2011. An der "gläsernen Wand"? Women Entrepreneurs in der Chemiebranche. Eine Diskursanalyse des Fachmagazins Nachrichten aus der Chemie. Arbeitspapiere zum Projekt Exichem 5. Duisburg.

Pascher, Ute, Melanie Roski und Brigitte Halbfas. 2015. Entrepreneurial aspirations and start-up motives of women chemists in Germany. International Journal of Gender and Entrepreneurship 7:272–290.

Pascher, Ute, Melanie Roski, Brigitte Halbfas, Katrin Jansen, Gabriele Thiesbrummel und Christine Volkmann. 2012. Berufliche Selbstständigkeit und Unternehmensgründungen von Chemikerinnen / Frauen in der Chemie. Eine Handreichung zu Gründungsgeschehen, Hintergründen und individuellen Gründungswegen. Duisburg.

Pascher-Kirsch, Ute. 2014. Berufsbiographische Erfahrungen und Gründungsmotivationen von Chemikerinnen in Deutschland. In Die Vielfalt der Selbständigkeit. Sozialwissenschaftliche Beiträge zu einer Erwerbsform im Wandel. HWR Berlin Forschung, 58/59, Hrsg. Claudia Gather, 287–306. Berlin: Ed. sigma.

Pasero, Ursula. 2003. Gender, Individualität, Diversity. In Frauen, Männer, Gender Trouble. Systemtheoretische Essays, Hrsg. Ursula Pasero und Christine Weinbach, 105–124. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Rinken, Barbara. 2010. Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie? Alleinerziehende Mütter und Väter mit ost- und westdeutscher Herkunft. Wiesbaden: VS, Verl. für Sozialwiss.

Roski, Melanie. 2011. Gründerinnen und Gründer in der Chemie. Ergebnisse einer Befragung von Selbstständigen in der Chemie und chemienahen Branchen im Jahr 2010. Arbeitspapiere zum Projekt Exichem 6. Duisburg.

Roski, Melanie. 2017. Neoinstitutionalismus. Die Grundlagen des Neoinstitutionalismus und seine Anschlussfähigkeit an die Geschlechterforschung. In Handbuch interdisziplinäre Geschlechterforschung, Hrsg. Beate Kortendiek, Birgit Riegraf und Katja Sabisch, 389–398. Wiesbaden: Springer.

Roski, Melanie. 2018. „Institutionalisiert innovativ?!“. Die institutionelle Einbettung der Akteure in unternehme-rischen Ökosystemen und Hochschulen. Habilitationsschrift. Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, FernUniversität in Hagen.

Roski, Melanie. 2020. Die Manifestation und Aushandlung von Institutionen in Märkten und Organisationen: eine genderdifferenzierte Analyse des Konzepts unternehmerischer Ökosysteme. Gender 12:61–78.

Roski, Melanie, und Christine Volkmann. 2010. Die Gründungsneigung von Chemiestudierenden. Ergebnisse einer Studierendenbefragung an Universitäten und Fachhochschulen im Jahr 2009. Arbeitspapiere zum Projekt Exichem 4. Duisburg.

Sauer, Birgit. 2005. Geschlechterkritischer Institutionalismus – ein Beitrag zur politikwissenschaftlichen Policy-Forschung. In Was bewirkt Gender Mainstreaming? Evaluierung durch Policy-Analysen, Hrsg. Ute Behning und Birgit Sauer, 85–102. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag.

Scott, W. Richard. 1994. Institutions and Organizations: Toward a Theoretical Synthesis. In Institutional Environments and Organizations. Structural Complexity and Individualism, Hrsg. W. R. Scott und John W. Meyer, 55–80. Thousand Oaks, Calif.: Sage Publications.

Senge, Konstanze. 2011. Das Neue am Neo-Institutionalismus. Der Neo-Institutionalismus im Kontext der Organisationswissenschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien.

Sternberg, Rolf, und Johannes von Bloh. 2017. Global Entrepreneurship Monitor. Länderbericht Deutschland 2016. https://www.wigeo.uni-hannover.de/fileadmin/wigeo/Geographie/Forschung/Wirtschaftsgeographie/Forschungsprojekte/laufende/GEM_2016/gem2016.pdf (Zugegriffen: 4. April 2018).

Thornton, Patricia H., William Ocasio und Michael Lounsbury. 2012. The institutional logics perspective. A new approach to culture, structure, and process. Oxford u.a.: Oxford Univ. Press.

VCI. 2019a. Die Chemiewirtschaft in Zahlen 2019. Frankfurt am Main.

VCI. 2019b. Innovationsanreize für Chemie und Pharma. Frankfurt am Main.

Wilz, Sylvia Marlene. 2002. Organisation und Geschlecht. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Wooten, Melissa, und Andrew J. Hoffman. 2013. Organizational Fields. Past, Present and Future. In The SAGE Handbook of Organizational Institutionalism, Hrsg. Royston Greenwood, Christine Oliver, Roy Suddaby und Kerstin Sahlin-Andersson, 129–148. Los Angeles, London, New Delhi, Singapore: Sage.

Veröffentlicht
2021-07-15
Rubrik
Ad-hoc: Arbeit und Geschlecht – Neue Spannungen, alte Ordnungen?