Resonanz als multi-konstellatives Affizierungsverhältnis

Das Beispiel von Prüfungen im Schulalltag

  • Dietmar Jürgen Wetzel MSH Medical School, Hamburg
Schlagworte: Affekte, Affect Studies, Resonanz, Schule, Prüfungen

Abstract

Resonanz wird in dem Beitrag als multi-konstellatives Affizierungsverhältnis konzipiert. Unbestritten ist Resonanz gegenwärtig ein wichtiges gesellschaftliches Thema geworden, dies scheint auch vermehrt für den Bildungsbereich und insbesondere für die Schule zu gelten. Resonanzerfahrungen müssen zukünftig nicht nur im Kontext einer Kritik der Resonanzverhältnisse (Rosa 2012) reflektiert werden, vielmehr bedarf es einer dekonstruktiv-konstellativen Verwendungsweise und (relativierenden) Einbettung von Resonanz in einen gesellschaftstheoretischen Zusammenhang. Ausgehend von den Affect Studies habe ich den Versuch unternommen zu eruieren, was die Faktoren sind, die Resonanzerfahrungen begünstigen oder andernfalls verunmöglichen. Neben der Berücksichtigung der Persönlichkeit (Habitus), der Beziehungsqualität (interaktional), dem Bezug auf Drittes (das gemeinsame Thema, die Sache) und den Materialitäten/Räumlichkeiten (Stimmungen) wird eine konstellativ-relationale Analyse notwendig, die hier als multidimensionales Analyse-Modell vorgestellt worden ist. Mit Blick auf Prüfungen im Schulalltag lässt sich festhalten: Resonanz und die Prüfungssituation stehen nicht unbedingt in einem konstruktiv-positiven Verhältnis. Und dennoch: Auch wenn sich in vielen Prüfungssituationen Resonanz in der vorliegenden Untersuchung nur bedingt eingestellt hat, so kann doch ein Lerneffekt, etwa in Sachen Resonanzsensibilität entstehen. Umso mehr müsste dem Lehrpersonal daran gelegen sein, eine positive Resonanzsituation zu erzeugen. Das Fach Philosophie, in dessen Kontext die empirischen Forschungen zu den Prüfungen stattfanden, fungiert als Resonanzachse und erscheint dadurch, vor allem im Vergleich zu anderen Fächern, privilegiert zu sein.

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Veröffentlicht
2021-07-28
Rubrik
Ad-hoc: Wie untersucht man gesellschaftliche Spannungen als affektive Phänomene? Zur empirischen Erforschung von Affektivität