Technisch unterstützte Sorgearrangements

Zur Analyse von Koproduktionsprozessen

  • Katharina Liebsch Helmut Schmidt Universität Hamburg
Schlagworte: Technisierung von Sorgearrangements, Körper und Technik, Care-Arbeit

Abstract

Durch die Technisierung von Sorgearbeit und durch den Einbezug diverser Formen technisch-technologischer Unterstützung hilfebedürftiger Personen verändern sich sowohl die Körper-Relationen in der Care-Arbeit als auch die Begründungen, Legitimationen und Wissensbestände für die mit der Technisierung verbundenen Transformationen von Pflege. Fragen danach, was als angemessen gelten kann und welchen Regeln der Einsatz von Technik, Apparaturen und Medikamenten in Sorge-Arrangements folgen sollte, werden derzeit neu ausgehandelt.  Der Beitrag stellt zunächst einige systematische Überlegungen zur Bandbreite des Themenfelds an und betrachtet diese zudem daraufhin, welche Körper-Relationen sich in den jeweiligen technisch unterstützter Care-Arrangements genauer zu ausmachen lassen. Da Körper sowohl Anlass als auch Austragungsort von Technisierungsprozessen in der Sorgearbeit sind, hat jede Technisierung konkrete und leibhaftige Aspekte und Dimensionen und realisiert sich als Prozess, in dem technische Artefakte in den Körper und in den Alltag eindringen, neue Anforderungen und Erwartungen mit sich bringen, Automation und Routine oder auch Störungen verursachen. Dementsprechend ist Technisierung immer auch eine Körper-Ding-Interaktion, eine prozessuale Praxis zwischen Körpern und Technik, die im Zusammenspiel beteiligter Akteure realisiert wird.

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Veröffentlicht
2021-09-03
Rubrik
Ad-hoc: Sorgetransformationen unter Spannung