Postwachstumsprojekte im Spannungsfeld von kollektiven und einzelnen Sinnzusammenhängen

Eine Diskusssion

  • Birgit Blättel-Mink Goethe-Universität Frankfurt am Main
  • Luki Sarah Schmitz
  • Dennis Eversberg
  • Freidericke Hardering
  • Andrea Vetter
Schlagworte: Postwachstum, kollektiver Sinn, individueller Sinn, reflexive Kritik, kritische Soziologie

Abstract

Postwachstumsprojekte reagieren auf aktuelle Krisen der kapitalistischen Gesellschaft. Sie stellen jedoch keine konfliktfreien sozialen Gebilde dar, sondern bergen Spannungen vor allem zwischen einem kollektiven Sinn und einer Vielfalt an individuellen Eigensinnen. Wie diese differenten Sinnformen gefasst werden können, wie sie sich in einzelnen Postwachstumsprojekten manifestieren und wie sie gelöst werden, stellen die Ausgangsfragen dieser Podiumsdiskussion dar. Nebst der Suche nach Antworten auf die gestellten Fragen geht es darum, reflexive Kritiken zu formulieren, die als solidarische Einlassung zu einer produktiven Reflexion anregen. Postwachstum wird damit nicht auf die ökonomische Dimension beengt, sondern es werden vielfältige soziale Formen identifiziert, in die Irritationen eingebunden sein können. Auf der Basis eigener Forschungsergebnisse, aber auch auf der Basis gemachter Praxiserfahrungen in Postwachstumsprojekten wird schließlich die Rolle soziologischer Forscher:innen in der Annäherung an Postwachstumsprojekte diskutiert.

Literaturhinweise

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Veröffentlicht
2021-07-28
Rubrik
Ad-hoc: Postwachstumsprojekte im Spannungsfeld von kollektiven und einzelnen Sinnzusammenhängen