Armut erzählen

Biografische Selbstrepräsentationen von Menschen in Armutslagen

Autor/innen

  • Kim Bräuer Fachbereich für Soziale Arbeit, Duale Hochschule Schleswig-Holstein
  • Jana Matz

Schlagworte:

Affekttheorie, Armutsforschung, Emotionen, Biografische Interviews, Soziale Arbeit

Abstract

Aktuelle Prognosen der zunehmenden Armut, die vielfältigen Lebenslagen in Armut und das homogene Bild von „Armen“ nimmt der Beitrag zum Anlass, um mit dem Konzept immersiver Macht (Mühlhoff 2018) aus einer affekttheoretischen Brille auf biografische Erzählungen von in Armut lebenden Person zu blicken und deren Schilderungen in den Kontext aktueller gesellschaftlicher und sozialarbeiterischer Herausforderungen zu stellen. Entlang des biografischen Interviews von Erika F., die an der Studie „Armut in Schleswig-Holstein“ teilnahm, entfaltet der Beitrag Zustände der emotionalen Überforderung wie auch (affektive) Bewältigungsmechanismen, mit der finanziellen Lage zurechtzukommen. Zudem fragt der Beitrag danach, in welchem Verhältnis gefühlte (Selbst-)Wahrnehmung, gesellschaftliche Zuschreibung und materiellen Grundlagen stehen und führt damit biografische Forschung, Armutsforschung und affekttheoretische Überlegungen zusammen.

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Veröffentlicht

29.09.2023

Ausgabe

Rubrik

Ad-Hoc: Vaterschaft als Bezugspunkt einer gesellschaftlichen Fragmentierung. Vom Wandel von Vaterschaft, polarisierenden Leitbildern und den ungleichen Lebensrealitäten von Vätern