Commoning Urban Energy
Gemeinschaftliche Praktiken bei der Produktion, Nutzung und Verteilung von Energie
DOI:
https://doi.org/10.21241/Schlagwörter:
Commons, Energiewende, EnergiegemeinschaftAbstract
Die Energiewende ist eine zentrale Herausforderung in urbanen Räumen. Während technische Innovationen und investive Maßnahmen hierbei häufig im Mittelpunkt stehen, geraten soziale, relationale und kulturelle Aspekte oft in den Hintergrund (Bauwens et al. 2024). Teilhabe ist häufig nur mit Eigentum oder finanziellen Mitteln möglich. Energy Commons und Commoning – verstanden als gemeinschaftlich verwaltete Ressourcen und kollektive Praktiken – bieten neue Perspektiven für eine gerechte, inklusive und nachhaltige Transformation urbaner Energiesysteme. Insbesondere Energy Commoning eröffnet einen praxisorientierten Zugang zu sozialen Energietechniken und ihren transformativen Potenzialen. Im Kontext der gemeinschaftlichen Erzeugung, Verteilung und Nutzung von erneuerbaren Energien richtet Commoning den Fokus auf die Bedeutung von Beziehungen, kulturellen Normen und kollektiven Prozessen des gemeinsamen Handelns in der Energiewende. Während unter Energy Commons primär gemeinschaftlich verwaltete Produktionsmittel, Infrastrukturen und Ressourcen der Energieversorgung verstanden werden, beschreibt Commoning soziale Praktiken als das konstituierende Element dieser geteilten Güter und Strukturen. Commoning hebt transformative Potenziale hervor: Gemeingüter und kollektive Energiepraktiken ermöglichen die Demokratisierung erneuerbarer Energien und fördern Gemeinschaft und Teilhabe in der Energiewende (Brandtner et al. 2023). Commons und Commoning-Praktiken sind eng mit dem Konzept der Energiegemeinschaften verbunden, die häufig alternative Ansätze bei der Energieproduktion, -einsparung und -verteilung verfolgen. Mit starken lokalen Bezügen entwickeln sie Pionieransätze für die Produktion, Verteilung und den Konsum von nachhaltiger Energie.
Meine Forschung untersucht Energy Commons als Teil urbaner Commons und beantwortet die Frage: Wie nutzen Energiegemeinschaften Commoning-Praktiken, um gerechtere und nachhaltigere Energiezukünfte in städtischen Räumen zu gestalten? In meiner Promotionsforschung untersuche ich die sozialen und räumlichen Dimensionen von Commoning mit Bezügen auf Konzepte der relationalen Soziologie (Crossley 2011) und des relationalen Raums (Löw und Weidenhaus 2018), praxistheoretisch gerahmt durch Theorien sozialer Praktiken (Reckwitz 2003) und am Beispiel von Energiegemeinschaften im Ruhrgebiet. Partizipative Aktionsforschung (Rowell et al. 2017) dient hierbei als methodische Basis für die empirische Feldforschung. Mit Performative Mapping Sessions und Photo-Elicitation Workshops wird Raum für gelebte Erfahrungen, geteiltes Wissen und die Verortung von Commoning in der Gemeinschaft und im urbanen Raum geschaffen. Dies trägt zu einem fundierteren Verständnis der Schnittstelle zwischen Energy Commoning und urbanem Raum bei. Die vorgestellte Forschung erkundet Energy Commoning als emanzipativen und transformativen Ansatz für die Gestaltung einer gerechten und gleichberechtigten Energiewende.
References
Bauwens, Thomas, Robert Wade und Matthew Burke. 2024. The Energy Commons: A Systematic Review, Paradoxes, and Ways Forward. Energy Research & Social Science 118:103776.
Brandtner, Christof, Gordon Douglas und Martin Kornberger. 2023. Where Relational Commons Take Place: The City and its Social Infrastructure as Sites of Commoning. Journal of Business Ethics 184:917–932.
Crossley, N. 2011. Towards Relational Sociology (First issued in paperback). International Library of Sociology. London und New York: Routledge.
Löw, Martina, und Gunter Weidenhaus. 2018. Relationale Räume mit Grenzen. In: Technik – Macht – Raum. Technikzukünfte, Wissenschaft und Gesellschaft / Futures of Technology, Science and Society. Hrsg. Andreas Brenneis, Oliver Honer, Sina Keesser, Annette Ripper und Silke Vetter-Schultheiß. Springer VS, Wiesbaden. 207–227.
Reckwitz, Andreas. 2003. Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken / Basic Elements of a Theory of Social Practices. Zeitschrift für Soziologie 32:282–301.
Rowell, Lonnie L., Catherine D. Bruce, Joseph M. Shosh und Margaret M. Riel, Hrsg. 2017. The Palgrave International Handbook of Action Research. Springer eBook Collection Education. New York: Palgrave Macmillan.
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